Wie in Freiburg gegen Kommerzialisierung gekämpft wird

»Mitglieder müssen das Herzstück bleiben!«

Investoren beim SC Freiburg? Die »Mitgliederinitiative Einzigartiger Sport-Club Freiburg e.V.« will das verhindern. Im Gespräch erklärt Manuel Gaber, der Sprecher der Initiative, was genau die Fans vorhaben.

Paul Becker

Professionalisierung und Kommerzialisierung nehmen im Fußball immer weiter zu. Es spricht vieles dafür, dass diese Entwicklungen auch vor den Toren Freiburgs nicht Halt machen werden. Müssen wir uns Sorgen um den Sport-Club machen, Manuel Gaber?

Grundsätzlich finden wir es sehr besorgniserregend, in welcher Art und Weise sich das Fußballgeschäft derzeit entwickelt. Denn so wie sich der Sport, den wir lieben, aktuell verändert, ist davon auszugehen, dass ein kleiner Verein wie der SC Freiburg einer der leidtragenden Clubs dieser Entwicklung sein wird.

Woran liegt das?

Unter anderem daran, dass die Bestandskraft der 50+1-Regel auf der Kippe steht. Daher macht es in meinen Augen Sinn, sich gerade in einer Stadt wie Freiburg genauer mit diesen Themen auseinanderzusetzen.

Und um das zu tun, haben Sie im Juni die »Mitgliederinitiative Einzigartiger Sport-Club Freiburg e.V.« gegründet. Was genau steckt dahinter? Was sind Ihre Ziele und wie wollen Sie diese erreichen?

Wir sind ein Zusammenschluss verschiedener Mitglieder des SC Freiburg. Wir wollen den Verein positiv beeinflussen - soweit das in unserer Macht steht. Konkret haben wir für die kommende Mitgliederversammlung im Oktober zwei Anträge gestellt: einen Antrag auf Satzungsänderung, der bei einer möglichen Ausgliederung den Einstieg von Investoren ausschließt. Und einen hinsichtlich der Rolle des Vereins in der Entwicklung des Profifußballs. Auf diese Weise wollen wir sicherstellen, dass der Fußball in Freiburg ausschließlich in den Händen des eingetragenen Vereins, und damit in denen seiner Mitglieder, bleibt.

Ist eine solche Herangehensweise denn noch zeitgemäß? Muss man nicht auch im Breisgau alles dafür tun, wettbewerbsfähig zu bleiben?

Natürlich sind wir uns darüber im Klaren, dass eine zunehmende Kommerzialisierung und Professionalisierung im Profifußball stattfindet – und dass das auch nicht in allen Aspekten negativ zu bewerten ist. Dennoch sind wir der Meinung, dass wir - die Mitglieder - das Herzstück unseres Vereins bleiben müssen! Dafür wollen wir mit unseren Anträgen kämpfen.

Das leuchtet ein, ist bei vielen Vereinen aber längst nicht mehr der Fall und trotzdem sind diese Vereine zum Teil sehr erfolgreich. Was macht den SC Freiburg so einzigartig?

Gerade in der Geschichte unseres Vereins war es immer das ruhige Umfeld und die bedingungslose Identifikation der Fans mit dem Verein, was die Stärke unseres Sport-Clubs ausgezeichnet hat. Und wir glauben, dass ein potenzieller Einstieg eines Investors beim SC Freiburg diesen Gegebenheiten nicht zuträglich wäre. Der Verein sollte sich darauf fokussieren, mit seinen Partnern, so wie es derzeit auch schon geschieht, eng zusammen zu arbeiten, um das Bestmögliche aus dem Verein herausholen zu können – sowohl in sportlicher als auch in finanzieller Hinsicht.

Die Verantwortlichen des SC Freiburg halten nicht besonders viel von Ihrem Vorhaben. Ist das richtig?

Wir standen von Anfang an in einem engen Austausch mit den Clubverantwortlichen und haben frühzeitig klar gemacht, was wir vorhaben und erreichen wollen. Was die von uns erhoffte Satzungsänderung angeht, muss man die Frage aber wohl mit ›Ja‹ beantworten.

Was bedeutet das konkret?

Seitens des Clubs sieht man für eine solche Änderung aktuell keine Notwendigkeit, da man für eine Ausgliederung der Fußballabteilung in eine Kapitalgesellschaft ohnehin eine Dreiviertelmehrheit der Stimmberechtigten benötigen würde. Und eine solche Ausgliederung steht zur Zeit nicht zur Debatte. Wir vertreten jedoch die Auffassung, dass es nie zu früh ist, sich mit diesem Thema zu befassen. Daher wollen wir schon heute darüber reden, vereinsintern eine Diskussion anstoßen und Rahmenbedingungen für eine mögliche zukünftige Ausgliederung schaffen. Nichtsdestotrotz sind wir überzeugt davon, dass der SC Freiburg in seiner derzeitigen Form als eingetragener Verein funktioniert und eine Ausgliederung der Fußballabteilung nicht zu bevorzugen ist.

Wie hat das Umfeld des Vereins Ihren Vorschlag aufgenommen? Was halten Fans davon, die nicht an Ihrer Initiative beteiligt sind?

Bis jetzt haben wir ein durchweg positives Feedback für unsere Vorhaben bekommen und sind zuversichtlich, dass wir die Satzung auf der Mitgliederversammlung im Oktober ändern werden.

Nun ist der SC Freiburg einer von lediglich drei verbliebenen Bundesligisten, dessen Fußballabteilung noch nicht in Form einer Kapitalgesellschaft ausgegliedert ist. Kann es sein, dass Sie versuchen, eine Entwicklung aufzuhalten, die nicht zu stoppen ist?

Dieser Gedanke ist zwar legitim, ich bin aber der Meinung, dass man sich immer in die Sichtweise der Investoren hineinversetzen muss. Wenn du in einen Fußballverein Geld investierst, willst du in der Regel entweder Profit aus dem Verein herausholen oder zumindest erreichen, innerhalb des Vereins mitreden und Entscheidungen treffen zu können; siehe Klaus-Michael Kühne und dessen Engagement beim Hamburger SV. Es gibt aber auch andere Wege, um konkurrenzfähig zu bleiben. Und so kann es nicht der richtige Ansatz sein, von vornherein zu sagen: ›Es wird alternativlos sein, sich Investoren ins Boot zu holen.‹

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