Wie ein Sporthistoriker historische Wappen sammelt

»Ich fühle mich wie Indiana Jones«

Marcus A. M. Keune ist Sporthistoriker und rettet historische Wappen deutscher Fußballklubs. Mittlerweile hat er die größte Sammlung überhaupt.

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Marcus Keune, wie viele Wappen haben Sie zuhause auf dem PC?

Insgesamt komme ich auf über 100.000 Wappen von deutschen Fußballvereinen. Das beinhaltet natürlich auch die historischen Wappen der Klubs, ihrer Vorgängervereine, Vereine aus ehemaligen deutschen Gebieten und auch aus besetzten Gebieten aus dem Krieg, in denen bestimmte Einheiten Fußball spielten und mitunter ein eigenes Wappen hatten.  

Wie sieht denn der Alltag als Wappenhistoriker und –Zeichner aus?

Meistens werde ich von Zeitungen, Verlagen oder Verbänden beauftragt. Derzeit arbeite ich mit einer Zeitung aus Saarbrücken zusammen, die sämtliche deutsche Nationalspieler aus dem Saarland vorstellen möchte und dafür die Wappen der Heimatvereine benötigt. Außerdem habe ich ein Team aus ehrenamtlichen Helfern, mit dem ich gerade sämtliche Vereinswappen des Fußballverbands Sachsen-Anhalt neu zeichne.

Und wie läuft die Recherche ab?

Ich reise viel, verbringe viel Zeit in Archiven und durchforste alte Zeitungen, die eine sehr gute Quelle sind, etwa durch Spielberichte, Anzeigen oder Werbung des jeweiligen Vereins. Mittlerweile habe ich natürlich auch zuhause ein kleines Archiv, meine Sportzeitungen gehen zurück bis ins Jahr 1880. Die allerbesten Belege für historische Vereinswappen sind allerdings alte Briefbögen der Vereine. Im Briefkopf war sehr oft das aktuelle Wappen abgedruckt, da das eine günstige Möglichkeit der Außendarstellung war.

Gibt es Wappen, die sie besonders lange gesucht haben? 

Das Wappen des historischen Klubs Breslauer Sportfreunde hatte ich nach zehn Jahren erst recherchiert. Ich wusste, dass es existiert, weil ich es mal auf einer Abbildung gesehen hatte. Da war aber leider die Qualität so schlecht, dass ich es nicht nachzeichnen konnte. Nach zehn Jahren Suche fand ich einen polnischen Kollegen, der mir eine gute Abbildung des Wappens schickte. Ich habe mich gefühlt wie Indiana Jones, der einen Schatz hebt.

Was ist denn das seltenste Wappen, das Sie je gefunden haben?

Das Gründungswappen der Fifa. Durch Kontakte nach Argentinien kam ich an Dokumente aus der Gründerzeit des Verbandes, auf denen das Ur-Logo zu sehen ist. Ausgerechnet, als der Fifa-Skandal gerade seinen Höhepunkt erreichte. Ich habe mir das Wappen auf ein T-Shirt drucken lassen, mit der Überschrift: »Als alles noch jungfräulich war«.

Und im deutschen Fußball? 

Gerade habe ich das erste Wappen des Karlsruher SC neu gezeichnet. Von 1897, als der Klub noch Phoenix Karlsruhe hieß. Ein traumhaft schönes Logo. Außerdem habe ich mit Eintracht Braunschweig zusammengearbeitet und die Wappen-Tafel am Stadion erstellt. Zwei der Wappen, die ich recherchiert habe, waren quasi vergessen. Und es stellte sich heraus, dass das kontroverse Jägermeister-Wappen des Klubs einen blauen Hirsch hatte, nicht den braunen, der unter anderem auch bei Wikipedia zu sehen ist. Den gab es eigentlich nur auf damaligen Fanartikeln.