Wie ein Kreisligist auf einen rassistischen Übergriff reagierte

»Die Hautfarbe spielt keine Rolle«

Am Samstag wurde ein sudanesischer Spieler des Deinster SV von Rassisten angegriffen. Am Dienstag bekundeten seine Mitspieler mit einem besonderen Facebook-Post ihre Solidarität – das Echo war gewaltig.

Foto: Deinster SV/Facebook

Julian Dubbels, Sie sind Kapitän des Deinster SV. Erklären Sie uns bitte: Was ist am vergangenen Samstag passiert?
Wir hatten unser Kreispokal-Halbfinale, das wir im Elfmeterschießen gewonnen haben. Danach haben wir im Vereinsheim eine kleine Party gestartet. Nach einer Weile sind wir mit der Mannschaft zu einem Osterfeuer in ein benachbartes Dorf gefahren. Ich stand mit unserem Trainer an der Theke, als meine Mitspieler Emad und Amar zu uns kamen und sagten, dass Emad auf der Tanzfläche eins aufs Auge gekriegt hätte. Wir haben sie dann erst mal beruhigt und gesagt, sie sollen bei uns bleiben. Daraufhin schien sich die Lage etwas zu entspannen. Im Laufe des späteren Abends bin ich aber vor das Zelt gegangen, und da sah ich Emad auf einmal mit der Polizei.

Konnte dort geklärt werden, wie es zu dem Angriff kam?
Emad und Amar waren zunächst total aufgebracht und konnten nicht sagen, was genau passiert war. Ich bin am nächsten Tag zusammen mit meinem Bruder zu Emad gefahren. Da habe ich erfahren, dass ihm Leute ein Bein gestellt und ihn dann, als er am Boden lag, getreten haben. Für ihn war das sehr schockierend, weil er Gewalt zuletzt im Sudan erlebt hatte und deswegen nach Deutschland geflohen war.

Wie gut kennen Sie die beiden?
Emad und Amar haben Heiligabend mit mir und meiner Familie verbracht. Da haben sie von ihrer schwierigen Flucht aus dem Bürgerkrieg erzählt. Umso schockierender war für uns alle, was Emad am Samstag widerfahren ist.

Wie ging es nach dem Abend am Osterfeuer weiter?

Emad hatte uns in der Nacht des Übergriffs per SMS mitgeteilt, dass er aus der Mannschaft austrete und kein Fußball mehr spielen wolle. Das wollten wir auf keinen Fall so hinnehmen. Wir haben ihm deutlich gemacht, dass er unbedingt bei uns bleiben solle, weil wir seine Art mögen und er uns jede Menge Spaß bereitet. Wir wollten signalisieren, dass wir hinter ihm stehen.

Dies taten Sie, indem Sie ein besonderes Bild auf Facebook posteten.

Wir hatten am Montag ein Nachholspiel in der Liga. Nach dem Spiel saßen wir draußen und überlegten, was wir nun als Mannschaft machen könnten. Daraufhin meinte unser Trainer, dass es eine gute Sache wäre, wenn wir uns auf dem Mannschaftsfoto alle schwarz anmalen lassen würden – als Zeichen der Solidarität. Wir wollen zeigen, dass uns die Hautfarbe eines Menschen komplett egal ist und uns klar gegen Rassismus bekennen.

Das Prinzip des Gesichtfärbens nennt sich »Blackfacing« und wird oft auch als Diskriminierung verstanden. In Ihrem Fall war es aber das Gegenteil.

Genau. Als unser Trainer die Idee aussprach, waren wir davon angetan und wollten das durchziehen. Auf Facebook wurde zu unserer Aktion noch ein Beitrag verfasst, sodass jeder den Sinn hinter dieser Aktion verstehen konnte. Dass die Aktion medial allerdings so einen hohen Anklang gefunden hat, damit hätte wohl keiner von uns gerechnet.

Wie haben Emad und Amar reagiert?
Die beiden sind glücklich bei uns. Emad hat im Gespräch mit der Mannschaft noch mal betont, dass Deutschland sein Zuhause ist und er hier mit uns, seinen Freunden, bleiben will. Da Fußball alles für ihn ist, mussten wir ihn wirklich nur ganz kurz davon überzeugen, mit uns weiterzumachen. Es wäre ja auch echt schade, hätte diese unschöne Aktion vom Samstag alles kaputt gemacht.