Wie Deutschland bei der Kleinfeld-WM in Portugal den Titel holte

»Ein Traum hat sich erfüllt«

Deutschland ist Weltmeister! Zwar nur im Kleinfeldfußball, aber nach dem Desaster von Watutinki haben wir schließlich gelernt, unsere Ansprüche nach unten zu schrauben. Wir sprachen mit Christoph Köchy, Präsident des »Deutschen Kleinfeld-Fußball-Verbandes«.

Lukas Mengeler / DKFV

Herr Köchy, bei der Kleinfeld-WM in Lissabon hat Deutschland den Titel geholt. Herzlichen Glückwunsch dazu! Was hat Bundestrainer Malte Froehlich besser gemacht als Jogi Löw?

Einer der größten Unterschiede liegt darin, dass wir beim Kleinfeldfußball mit reinen Amateuren antreten, wo die Gier und der Hunger mitunter noch größer sind als bei den Profis. Unseren Jungs ist natürlich klar, dass Jogi Löw nicht mehr anrufen wird, und deshalb hat sich mit dem Turnier in Portugal der Traum eines jeden Kickers, sein Land bei einer Weltmeisterschaft zu repräsentieren, doch noch erfüllt. Da haut man dann natürlich alles rein. Dazu kommt, dass Löw als Titelverteidiger nach Russland gefahren ist, während Malte Froehlich und das Team dahingehend völlig unbelastet waren.

In Watutinki sollen sich einige Spieler an der Playstation die Nächte um die Ohren gehauen haben, bis der DFB das Netzwerk kappte. Wie oft musste im Lissaboner Hotel das WLAN-Netzwerk abgeschaltet werden?

(lacht.) Das war so langsam, dass da keine Gefahr bestand. Wir hatten zwar eine Playstation, aber die stand die meiste Zeit nur beim Funktionsteam rum, weil die Gepäckbestimmungen so streng waren, dass die keiner aus der Mannschaft noch in den Koffer bekommen hat. Aber Spaß beiseite, der Spielplan war so eng getaktet, dass wir sowieso kaum Freizeit hatten. Die Kleinfeld-WM wird zwar auch mit 32 Mannschaften ausgetragen, allerdings dauert das Turnier nur eine Woche. Die Spielzeit beträgt zwar nur 2x20 Minuten. Aber das ist natürlich wahnsinnig intensiv, weil jeder Fehler sofort bestraft wird.

Sie spielen im Kleinfeldbereich mit je fünf Feldspielern und einem Torwart. Inwieweit spielen taktische Aspekte und Spielsysteme in diesem Bereich eine Rolle?

Im klassischen Fünf-gegen-Fünf im Hobbybereich ist es ja so, dass jeder Spieler quasi auf jeder Position spielt. Bei uns ist das ein bisschen anders, das heißt, dass wir schon unterschiedliche Taktiken haben. In der Regel spielen wir ein »Dreier Aufbau«, mit drei Aufbauspielern, einem Spieler im Mittelfeld und einem klassischen Neuner. Es gibt aber auch große Unterschiede zwischen den Ländern. Unser Gegner im Viertelfinale, die USA, hat zum Beispiel gespielt wie Leeds United 1978. Ausschließlich Kick and Rush, das habe ich vorher noch nie gesehen. Allerdings gibt es auch sehr Futsal-geprägte Länder wie Spanien oder Kasachstan, die viel mit flachen Pässen agieren, und auch den Torhüter in das Angriffsspiel mit einbeziehen.

Sie haben jetzt schon das Viertelfinale gegen die USA angesprochen, aber lassen Sie uns noch kurz über die Gruppenphase zu sprechen. Die deutsche Mannschaft stand nach einem Sieg und einer Niederlage aus den ersten beiden Partien vor dem letzten Gruppenspiel gegen Angola stark unter Druck. Wie lief die Vorbereitung auf diese vorentscheidende Partie ab?

Bei allem Spaß, den man bei so einem Turnier natürlich hat, haben wir nach dem zweiten Gruppenspiel gegen Kroatien (0:2) gemerkt, dass unsere Mannschaft vom Kopf her nicht frei war. Das ist natürlich auch verständlich, wenn man als Amateur zu einer WM fährt und auf einmal sein Land repräsentiert, in einem extra für das Turnier gebauten Stadion aufläuft und alle Freunde zu Hause im Livestream zugucken. Zum Glück hatten wir zwischen dem Spiel gegen Kroatien und dem dritten Gruppenspiel einen Tag frei, den wir dazu genutzt haben, nur ganz leicht zu trainieren und ansonsten den Spielern frei zu geben. Ich glaube, dass das am Ende die entscheidende Maßnahme war, denn gegen Angola war die Leichtigkeit wieder da, und wir haben letztlich souverän gewonnen.