Wie BVB und Liverpool-Fans gemeinsam gegen hohe Ticketpreise kämpfen

»Auch wenn wir uns hassen, ist die Arbeit fruchtbar«

Die Premier League ist die teuerste Fußball-Liga da Welt. Im Durchschnitt kostet eine Eintrittskarte mittlerweile 53 Pfund. Warum hat sich erst in den letzten Jahren Widerstand dagegen formiert?
In England dauert es leider sehr lange, bis die Leute Veränderungen wahrnehmen. Die Premier League-Spiele sind hier in einem schleichenden Prozess zum Mittelklasse-Event verkommen. In letzter Zeit ist uns klar geworden, dass wir nicht mehr als Fans sondern als Kunden wahrgenommen werden.

Wie ist diese Lethargie zu begründen?
Die Fanszenen sind nicht so gut organisiert wie zum Beispiel in Deutschland. Sobald ein Bundesligaverein Preiserhöhungen bekannt gibt, demonstrieren die Fans beim nächsten Spiel geschlossen ihr Unverständnis. Sogar vereinsübergreifend werden Proteste unterstützt. Bei uns gab es bis vor kurzem gar kein Bewusstsein darüber, dass die Probleme der Fans anderer Vereine mit unseren übereinstimmen.

Wo sehen Sie noch Parallelen und Unterschiede zwischen der Situation in der Premier League im Vergleich zur Bundesliga?
Das deutsche Modell nehme ich als Vorbild wahr. Zwar gibt es auch in der Bundesliga teure Preiskategorien, aber wer sich das nicht leisten kann oder will, kauft sich eben eine Stehplatzkarte. Auf diese Weise behält man die leidenschaftlichen Fans in den Stadien, wodurch die Atmosphäre großartig ist. Bei uns wurden die echten Fans zu großen Teilen bereits verdrängt. Allerdings hinkt der Vergleich bedingt durch Hillsborough. Es ist sehr kompliziert für uns, Stehplätze einzufordern, auch wenn in anderen Ländern »Safe-Standing«-Modelle funktionieren.

Was sind stattdessen die mittelfristigen Ziele?
Wir müssen versuchen den Schaden zu kontrollieren, der bereits entstanden ist. Jeder wirkliche Fan ist bereit, den Verein mit seinem Eintrittsgeld zu unterstützen, aber es muss bezahlbar bleiben. Viele Freunde, die ich seit Jahren kenne, können sich den Eintritt nicht mehr leisten. Um dem entgegenzuwirken, müssen wir uns mit anderen Fangruppen vernetzen. Seit zwei Jahren arbeiten wir bereits mit Everton-Fans, und obwohl ich Everton aus tiefstem Herzen verabscheue, muss ich sagen, dass die Kooperation sehr fruchtbar ist. 

Die Zusammenarbeit mit dem BVB steht demnach generell für den Vernetzungswillen der Liverpool-Fans?
So ist es. Wir Fangruppen müssen voneinander lernen, denn es gibt noch jede Menge Baustellen. Die Auswärtsticketregelung gilt zum Beispiel nur für die Premier League und nicht für die Pokalspiele. Und auch international gilt es, ein Zeichen gegen die horrenden Preise vieler Reiseveranstalter zu setzen. Im Westfalenstadion wollen wir die internationale Bühne nutzen, um Zusammenhalt zu signalisieren und auf die gemeinsamen Probleme von Fans aller Vereine hinzuweisen. Dazu werden wir im Vorfeld des Spiels Banner mit den BVB-Fans austauschen, sodass auf beiden Seiten des Stadions die Initiative sichtbar sein wird.