Wie BVB und Liverpool-Fans gemeinsam gegen hohe Ticketpreise kämpfen

»Sie sehen uns als Kunden!«

Liverpools Fans kämpfen um den Erhalt der Fankultur. Declan Tanner vom Fanklub »Spion Kop 1906« erzählt, warum sie dafür auch mit den BVB-Anhängern kooperieren.

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Declan Tanner, Sie haben eine Kooperation mit BVB Fans für die anstehenden Europa-League-Spiele initiiert. Was steckt dahinter?
Es wird einen gemeinsamen Protest gegen die unverschämte Preispolitik einiger englischer und deutscher Vereine geben. Wir kämpfen in England seit drei Jahren mit der Kampagne »Twenty‘s Plenty«, dem Pendant zur Initiative »Kein Zwanni für 'nen Steher«, für günstigere Ticketpreise für Auswärtsfans. Zusätzlich wehren wir uns in Liverpool gegen die Preisentwicklung bei Heimspielen.

Ist das die erste internationale Kooperation von Liverpool-Fans?
In der Vergangenheit haben wir der Opfer der Hillsborough-Katastrophe auch gemeinsam mit ausländischen Vereinen gedacht. Die anstehende Protestaktion für faire Ticketpreise ist die erste internationale Zusammenarbeit dieser Art.

Zuletzt hat es im Spiel gegen Sunderland eine vielbeachtete Aktion gegeben. Etwa 10.000 Fans verließen die Anfield Road in der 77. Minute als Protest gegen die Ticketpreiserhöhung auf 77 Pfund. Wie kam es dazu?
Wir waren über 18 Monate in Gesprächen mit der »Fenway Sports Group« über die Neuordnung der Eintrittsgelder. Das 77-Pfund-Ticket war ein Stoß vor den Kopf, weil es genau das Gegenteil der Verhandlungen darstellte. Einen solchen Protest hat es in England zuvor nicht gegeben. Er fand so viel Anklang, weil wir uns kollektiv betrogen gefühlt haben.

Wie sieht die derzeitige Kommunikation mit der Vereinsführung des FC Liverpool aus?
Für den Moment sind wir sehr zufrieden, dass unseren Forderungen, der Beibehaltung der derzeitigen Preisstruktur, entsprochen wurde. Wir werden den Dialog aufrechterhalten, um ein möglichst faires Preismodell zu gestalten.

Glauben Sie, dass diese erfolgreiche Aktion Signalwirkung auf andere englische Fangruppen haben wird?
Unser Protest hat gezeigt, dass die Klubführungen scheinbar zu erkennen beginnen, dass Fußball ohne Fans nicht funktioniert. Hoffentlich nutzen andere Fangruppen diese Steilvorlage. Auf einer anderen Ebene haben die Premier League-Klubs kurz danach ja ebenfalls eingelenkt.

Sie meinen die Festsetzung des Auswärtsticketpreises auf maximal 30 Pfund?
Genau, kurz zuvor wurde der Antrag noch abgelehnt. Aber nach unserem »Walk-Out« gegen Sunderland haben selbst die großen Vereine zugestimmt, die zuvor nichts von einer Preisdeckelung wissen wollten.