Wie Antonin Panenka über seinen legendären Elfmeter denkt

»Ich schoss seit Jahren auf diese Weise«

Heute feiert der Panenka-Elfmeter Geburtstag. Also der wohl berühmteste Elfer der Fußballgeschichte. Was denkt der Schütze heute über seinen Heber gegen Sepp Maier, der die Tschechoslowakei am 20.06.1976 zum Europameister machte?

Jakub David

Antonin Panenka, sind Sie ein Poet? 

Wie kommen Sie denn darauf? 

Als Sie mit Ihrem legendären Elfmeter das EM-Finale 1976 entschieden hatten, schrieb ein französischer Journalist, Sie seien ein Poet. 

(Lacht.) Nein, ich bin kein Poet. Ich habe einfach Fußball mit Herz und Seele gespielt. Und ich habe Fußball gedacht. Daher auch die Art und Weise, wie ich den Elfmeter geschossen habe. 

Wie meinen Sie das?

Als Schütze hat man nur zwei Möglichkeiten: Man entscheidet sich vorher, wohin man schießt, oder man läuft an und wartet, was der Torwart macht. Ich habe immer darauf geachtet, wohin sich der Torwart bewegt. Und ich habe immer versucht, ihn mit Blicken in eine bestimmte Ecke zu locken. 

Laut »Wikipedia« ist Ihr Spitzname »Der Mann mit den Radaraugen«. Kommt dieser schöne Name also daher? 

Diesen Spitznamen kenne ich gar nicht. Aber in der Tat: Ich habe immer ein Auge auf den Torwart gehabt und gewartet, bis er sich für eine Ecke entscheidet. Und dann in die andere geschossen. 

Oder eben in die Mitte, wie gegen Deutschland. Waren Sie vor Ihrem Elfer nervös?

Überhaupt nicht. Als ich zum Elfmeterpunkt ging, spürte ich keinerlei Druck. Wenn Uli Hoeneß getroffen hätte, wäre das anders gewesen. Dann hätte ich auch treffen müssen. Aber so hatte ich es in der Hand, und ich wusste, ich würde verwandeln. Nicht zu hundert, sondern zu tausend Prozent.


Foto: Jakub David