Wer war Kurt Landauer?

»Der Architekt von Bayern München«

Kurt Landauer war nicht nur einer der ersten Bayern-Präsidenten, sondern gilt als Erfolgsinitiator des Klubs. Heute Abend zeigt die ARD einen Spielfilm über ihn. Lohnt das Einschalten?

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Am 2. Februar 2014 bedeckten die »Schickeria«, die Ultragruppe des FC Bayern, und der Fan-Dachverband »Club Nr. 12« mit einem riesigen Transparent zu Ehren des ehemaligen Bayern-Präsidenten Kurt Landauer die Südtribüne der Allianz Arena. Für die Aktion erhielten die »Schickeria« und »Club Nr. 12« den 11FREUNDE-Sonderpreis und gestern wurde die »Schickeria« vom DFB mit dem Julius Hirsch Preis geehrt.

Landauer war nicht nur einer der ersten Bayern-Präsidenten, sondern gilt als eigentlicher Initiator des Klub-Erfolgs. Der gebürtige Planegger war Jude. Er überlebte als Einziger aus seiner Familie seine Gefangenschaft im KZ Dachau während der Nazizeit und flüchtete in die Schweiz. Später kehrte er nach München zurück und wurde abermals Präsident des FCB. Seine Geschichte wurde verfilmt und wird heute Abend 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Wir sprachen mit »Schickeria«-Gründungsmitglied Simon Müller über den Fernsehfilm und die Bedeutung Kurt Landauers für die Fanszene.

Simon Müller, warum befasst sich die Ultra-Kultur heute noch mit Kurt Landauer?
Wir sind über den Namen Kurt Landauer 2003 in dem ZEIT-Artikel »Onkel Kurt und die Bayern« gestolpert. Der Artikel war von Uri Siegel, das ist der Neffe von Kurt Landauer. Uri Siegel hat sich darin mit dem Verhältnis zu seinem Onkel und warum der in Vergessenheit geraten ist, beschäftigt. Parallel dazu hatten wir immer die Idee, ein antirassistisches Turnier auszurichten, bei dem es darum gehen sollte, das Treffen von Fußballern, die zusammenkommen, um zu spielen und zu feiern, auch inhaltlich mit antirassistischen Themen zu verbinden. Diese zwei Gedankengänge haben sich dann zu einer Idee verwoben.

Und warum hat es dann bis Februar 2014 gedauert, eine Choreografie zu Kurt Landauer zu entwickeln?
Das ist als ein Prozess zu sehen. Wir haben dieses Turnier organisiert, verschiedene Termine mit Uri Siegel veranstaltet und viel in unseren Fanzines und auf unserer Webseite über Kurt Landauer geschrieben. Auch früher gab es schon Aktionen: Zum Beispiel 2009 eine Choreo zu seinem 125. Geburtstag.

Wie kam es dann letztendlich zu der Landauer-Choreo im Februar?
Es gibt den »Nie wieder!«-Erinnerungstag im Fußball, da machen wir jährlich Aktionen. Da kam uns die Idee, dieses Jahr etwas zu Kurt Landauer zu machen, weil auch ein paar Leuten, das Motiv zur Choreo schon im Kopf rumgeschwirrt ist.

Welchen Stand hat Kurt Landauer aus Fan-Perspektive neben den anderen ehemaligen Präsidenten des FC Bayern?
Er war einer der bedeutendsten Präsidenten und in meinen Augen der Architekt von Bayern München. Viele Dinge, die er eingeführt hat, sind Grundlage des heutigen Erfolgs. Zum Beispiel hat er dafür gesorgt, dass die Säbener Straße als Trainingsgelände genutzt werden kann. Auch wenn der Name lange verschwunden war, die Errungenschaften von Landauer sind präsent und wichtig für den Verein.

Heute läuft der Spielfilm im Ersten, haben Sie den schon gesehen?
Ja, wir waren zur Premiere auf dem Filmfest München eingeladen und hatten dann auch die Möglichkeit den Film eine Woche später auf dem diesjährigen Kurt Landauer-Turnier zu zeigen. Mir gefällt der Film sehr gut. Ich finde, dass er die Geschichte sehr greifbar macht. Vorher kannte man nur zwei, drei Fotos von Kurt Landauer und ein paar abstrakte Geschichten. Auch wenn der Film natürlich ein Spielfilm ist, der auch manche Dinge vereinfacht darstellt oder auch anders zeigt, als sie waren, fand ich ihn sehr bewegend und gut.

Der Film »Landauer - Der Präsident« wird heute Abend 20.15 Uhr im Ersten gezeigt.