Wer ist Wolfsburgs neuer Trainer Andries Jonker?

»Weißt du nicht, was Technik ist?«

Wie kamen Sie zum VfL Wolfsburg?
Im Frühjahr 2012 sprach mich Arsenal an. Der Deutsche Hendrik Almstadt, ein leitender Angestellter des Klubs, fragte mich, ob ich Leiter der Jugendakademie werden wollte. Zur selben Zeit meldete sich Felix Magath und bot mir einen Posten in seinem Trainerteam an. Ich fragte ihn, wieso er gerade mich haben wolle. Ich hatte gehört, dass er eine sehr strenge, harte Art hat und viel Wert auf Disziplin legt. Ich sagte ihm, dass ich nicht gerade ein Trainer sei, der viel Kondition bolzen lässt. Er meinte, ich käme gut mit den Spielern aus, könnte gute Trainingsübungen entwickeln und Spiele analysieren. Als wir uns dann trafen, hat er mir gleich einen Vertrag über drei Jahre angeboten. Ich entschloss mich, es zu versuchen.

Magath blieb nicht lange. Haben Sie trotzdem etwas von ihm lernen können?
An seinem Stil war besonders bemerkenswert, dass er nichts wirklich im Voraus plante. Zuerst hatte ich nicht viel zu tun, ich schaute mir einfach nur die Einheiten an. Aber eines Tages kam er plötzlich zu mir rüber und fragte: »Kannst du eine Technikeinheit machen?« Ich fragte, was ich genau tun solle. Lustigerweise entgegnete er: »Weißt du nicht, was Technik ist?« Da standen 24 Spieler auf dem Platz rum und ich musste aus heiterem Himmel was er erfinden. Ich habe mir dann eine Übung zum Passspiel überlegt, aber das Training ging noch eine ganze Weile weiter, also musste ich mir auch noch andere Sachen ausdenken. So etwas kam immer öfter vor. Das schärft die Aufmerksamkeit. Es konnte jeden Moment passieren, dass er mich aufforderte, etwas zu machen.

Tat er das mit Absicht?
Magath hat vor dem Team mal aus einem Buch über den erfolgreichen deutschen Ruderachter vorgelesen. Es ging darum, dass im Boot nur acht Plätze waren, aber zwölf Ruderer zum Team gehörten. Magath las vor, dass der Rudertrainer die Zusammenstellung ständig änderte. Alle zwölf Athleten mussten immer top vorbereitet sein, weil sie nie wussten, wer von ihnen an den Start gehen würde. Außerdem blieb der Rudertrainer manchmal ohne Ankündigung dem Training fern, was die Eigenverantwortung der Sportler forderte. Ich denke, es war eine Metapher für Magaths eigene Methoden, um das Optimum aus Leuten herauszuholen.

Wie kam es, dass Sie danach bei Arsenal als Leiter der Jugendakademie landeten?
Hendrik Almstadt hatte den Kontakt zu mir gehalten. Nach zwei Jahren fragte er mich noch einmal, ob ich die Akademie führen wolle. Arsenal hatte ein ziemlich schwieriges Anforderungsprofil erstellt. Sie suchten jemanden, der große Erfahrung mit der Ausbildung von Nachwuchsspielern und Jugendtrainern besitzt, der aber gleichzeitig auch auf höchstem internationalem Level gearbeitet hat. Das passte auf mich. Nachdem ich den Klub besucht und mir das Gelände angesehen hatte, wollte ich den Job unbedingt.