Wer ist der größte Pechvogel der Bundesliga?

»Hertha hat den Preis abgelehnt«

Aluminiumtreffer, Eigentore, Gegentore in der Nachspielzeit – ein Fußballfan aus Thüringen errechnet jede Saison eine Tabelle der größten Unglücksraben. Der Gewinn: 1000 Pechbratwürste.

Foto: Privat

Uwe Keith, Sie sind Vorsitzender des Vereins »Freunde der Thüringer Bratwurst« und Mitträger eines Bratwurstmuseums. Sie betreiben außerdem noch eine Bratwurstiade, ein Bratwursttheater, einen Bratwurst-Song-Contest. Haben Sie nur Wurst im Kopf?
Es gibt schon ein Leben neben der Wurst. Wenn ich sagen würde, dass ich drei bis vier Mal die Woche Tischtennisspielen gehe und danach auch gerne eine Banane esse, dann glaubt mir das sowieso niemand. Die Wurst stellt für uns Thüringer nun mal ein Kulturgut dar.

Dieses Jahr vergeben Sie zum dritten Mal die »Thüringer Pechbratwurst« in einer sogenannten »Bratwurstliga«. Was hat es denn damit auf sich?
In dieser Liga werden die Pechvögel der laufenden Bundesligasaison ermittelt. Das Ranking ermitteln wir nach einem eigenen System: Für einen Aluminiumtreffer gibt es einen Punkt, für ein Eigentor und Treffer in der Nachspielzeit je drei Punkte, sodass sich am Ende der Saison eine Tabelle ergibt.

Der 1. FC Köln hat in dieser Saison schon zwei Eigentore erzielt. Ist die Mannschaft von Peter Stöger auf dem besten Weg, dieses Jahr den Titel zu gewinnen?
Momentan führt Werder Bremen die Tabelle mit 25 Punkten an, darauf folgt Bayer Leverkusen mit 22 Zählern. Hoffentlich trifft es nicht wieder einen Absteiger.

Wie letztes Jahr, als der 1. FC Nürnberg den Preis gewann.
Mit 25 Aluminiumtreffern, drei Eigentoren sowie drei Gegentoren in der Nachspielzeit. Vergangene Woche haben wir dem »Club« den Pokal und 1000 Thüringer Rostbratwürste überreicht.


Große Freude beim Nürnberger Fanbetreuer Jürgen Bergmann (Bild: Privat)

In Franken kommen sonst eher Nürnberger auf den Teller. Hat die Mannschaft Ihre Würste überhaupt angenommen?

Wir sind keine religiös-fanatischen Bratwurst-Fundamentalisten. Und die Franken sind es auch nicht, deshalb stellte die Übergabe überhaupt kein Problem dar. Auch eine gut gemachte Nürnberger Rostbratwurst ist durchaus lecker und ein Qualitätsprodukt. Allerdings hatten wir mal Probleme, unseren Preis zu übergeben. In der Saison 2011/12 verstand die Klubführung von Hertha BSC unser Anliegen falsch und nahm den Preis nicht an.

Stellen Sie sich dann selber an den Grill und bringen Ihre Lieblinge unter die Leute?
(Lacht.) Nein, Braten muss der Gewinner schon selbst. Wir werden die Wurst auch nicht im Stadion verkaufen können, weil diese zumeist in festen Händen von Caterern sind. Da kommt man mit seiner Wurst gar nicht rein. Wir denken, dass der Wurst-Gewinn bei einem Nachwuchsturnier oder einem guten Zweck Verwendung findet.

Fußball und Bratwurst – eine innige Beziehung. Warum passt das eigentlich so gut?
Das ist ein sehr ambivalentes Thema. Theo Zwanziger sagte einmal: »Die Bratwurst ist nach wie vor das wichtigste Lebensmittel im Fußball!« Auf der anderen Seite ist das Wort »Bratwurst« – egal ob zum Schiedsrichter oder Gegenspieler – nicht gerade ein Qualitätsmerkmal.

Millionen Fußballfans stellen sich diese eine Frage: Wo gibt es die perfekte Stadionwurst?
Das ist die gleiche Frage, als würden Sie fragen: »Wo gibt es die beste Thüringer Bratwurst?« Jede Person wird durch Geschmackserfahrungen aus der Kindheit und Jugend geprägt. Es wäre schrecklich, wenn alle den gleichen Burger von McDonalds lecker finden würden. Das führt zur Verarmung im kulinarischen Kreis.

Wie muss die perfekte Wurst denn sein?
Wir Thüringer lieben sie am liebsten dunkel, manchmal sogar fast schwarz. Die muss schön braun sein, schön durchgegrillt, schön knackig.