Welche Rolle spielt der Kopf im Abstiegskampf?

Die Komfortzone verlassen

Was noch?
Dass man das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wieder aufbaut. Letztlich ist nicht der Verein für die Leistungsfähigkeit verantwortlich, sondern der Spieler selbst – für sein eigenes Denken, Fühlen und Handeln. Und bei Misserfolg neigt man dazu, die Ursachen außerhalb der eigenen Person zu sehen.

Am Mittwochabend spielte Dortmund gegen Augsburg. Ein Spiel auf Augenhöhe mit guten Chancen für Dortmund. Nach dem Gegentreffer konnte man aber förmlich sehen, wie das Team zusammenfiel. Was passiert bei Spielern im Kopf, wenn so ein Gegentreffer passiert?
Das Problem ist, dass man mit gewissen Erwartungen in ein Spiel geht und sich viel vornimmt. Wenn ein negatives Ereignis passiert, dann ist oft auffällig, dass jeder mit sich selber beschäftigt ist. Jeder hadert mit sich selbst. Die Kommunikation auf dem Platz nimmt ab. Das gegenteilige Fordern und Fördern gerät ins Hintertreffen. Fördern bedeutet, dass man einander anfeuert und dazu bringt, mutiger zu sein. Dass man Aktionen lobt. Fordern bedeutet aber auch Willensstärke zu zeigen.

Aus der sportpsychologischen Perspektive: Kann man auch in einer schier ausweglosen Situation eine Art Neuanfang simulieren?
In einer Mannschaft hat jeder Spieler eigene Themen. Diesen Themen muss sich jeder einzelne Spieler auch stellen. Natürlich ist es sehr sinnvoll, dass das Trainerteam alle ihm zur Verfügung stehenden Instrumente nutzt, um die Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Aber ich bleibe dabei: Jeder Spieler ist für seine Leistungsfähigkeit selber verantwortlich.

Im Großen betrachtet: Was passiert bei Dortmund? Ein Team, das von den Namen der Beteiligten und den jüngsten Vergangenheit nicht da sein sollte, wo es jetzt ist. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Eines vorweg: Es steht mir nicht zu, Prozesse und Interna bei Borussia Dortmund zu bewerten. Dafür bin ich zu weit weg. Allerdings habe ich es selber in einer ähnlichen Form kennengelernt, habe Spieler mit ähnlichen Themen betreut. Misserfolg ist immer sehr komplex, so dass es in Dortmund sicherlich viele Mosaiksteine gibt, die diesen unerwarteten Misserfolg begünstigen.

Haben Sie einen Lösungsansatz?
Der Schlüssel liegt darin, dass man auf der einen Seite sehr selbstkritisch mit sich umgeht. Zu fragen, was kann ich gut, was muss ich aktiv verändern, muss ich vielleicht meine Komfortzone verlassen? Aber auf der anderen Seite ist auch eine konzentrierte Arbeit wichtig, um die eigene Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Der Spieler steht in der Selbstverantwortung sein Selbstvertrauen wieder aufzubauen. Die Dortmunder Spieler haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie nicht nur auf nationalem, sondern auch auf internationalem Niveau großartig spielen können.