Was wurde eigentlich aus Benjamin Auer?

»Ein Bundesligator war schöner«

Gibt es denn Parallelen zwischen der vierten und der ersten Liga?
Was das Spielerische angeht, gibt es kaum Parallelen. In der Bundesliga wird viel schneller gespielt. Das versuchen die Spieler der Regionalliga durch das Körperliche auszugleichen. Mannschaften wie Elversberg oder Mannheim haben spielerisch mehr vorzuweisen als die anderen Teams in der Liga. Spiele, bei denen wir mitwirken sind in der Regel sehr einfach strukturiert - nicht unbedingt ansehnlich. Das liegt zum Teil auch an den Trainingsmöglichkeiten in Pirmasens. Wir haben einen Trainingsplatz, auf dem alle Mannschaften trainieren müssen – die erste Mannschaft, die Amateure und die Jugendmannschaften. Wir haben zwar einen Kunstrasenplatz, der ist aber schon ziemlich in die Jahre gekommen. Das ist gerade im Winter ein großes Problem, wo wir dann häufig auf Soccerhallen ausweichen müssen und auf die Hilfe anderer Vereine angewiesen sind.

Ist das Toreschießen leichter als in der Bundesliga?
Was stark auffällt, ist, dass die Innenverteidiger einfacher zu bespielen sind. Das Spiel ist körperbetonter, dafür auch oft fehlerhaft. Daher spekuliere ich immer darauf, dass die Verteidiger einen Fehler machen, der so in der Bundesliga kaum passieren würde. Dazu kommt, dass ich in der Bundesliga Mitspieler hatte, die technisch und spielerisch einfach stärker waren. Das ist hier in Pirmasens anders. Es läuft nach dem Motto 50:50: Mal kommt der Ball dorthin, wo ich hinlaufe, mal kommt der Ball dorthin, wo ich vor zehn Sekunden noch stand. Es ist also nicht unbedingt einfacher, ein Tor zu schießen, sondern anders.



Freuen Sie sich denn genauso über ein Tor wie zu Bundesliga-Zeiten?
Über Tore in der Bundesliga habe ich mich mehr gefreut. Auf der anderen Seite bin ich jetzt 35 Jahre alt, und es macht immer noch Spaß Tore zu schießen. Es ist schön zu sehen, wenn ich es als alter Hase immer noch schaffe, einen 20 Jahre alten Gegenspieler alt aussehen zu lassen.

Die Gegenspieler haben Sie früher noch in der »Sportschau« gesehen. Kommt es auf dem Platz noch zu speziellen Sprüchen?
Sprüche gibt es immer – in allen Variationen. Da kommt es bei einer vergebenen Großchance schon mal zu Spott, aber in meinem Alter weiß ich, in solchen Situationen darüber schmunzeln zu können und zur Not auch zu kontern. Dann herrscht auch schnell Ruhe.

Wie war denn das erste Aufeinandertreffen mit Ihrer Mannschaft?
Die Mannschaft ist super entspannt, nur deshalb habe ich mich auch dazu durchgerungen, nochmal die Schuhe zu schnüren. Die Mentalität ist mit der Bundesliga absolut nicht zu vergleichen, in der die Konkurrenzsituation eine absolut andere ist. Die Jungs waren froh, dass ich zu ihnen gestoßen bin und bei der Mission Klassenerhalt mithelfe. Außerdem finde ich es schön, den jüngeren Mitspielern Ratschläge geben zu können und ihnen in gewissen Situationen zu helfen.

Nun gibt es gewisse Gemeinsamkeiten mit ihren Mitspielern. Sie haben Ihr Diplom als Fitness-Ökonom und befinden sich derzeit im Master-Studium. Wie sind Sie als Student?
Ich hatte zu Zeiten des Diploms den großen Vorteil, einen großen Teil des Studiums von zuhause aus machen zu können. Ab und zu musste ich natürlich zu Präsenzphasen erscheinen. Ansonsten habe ich mich vor den Klausuren immer mit den jeweiligen Professoren getroffen, um den relevanten Stoff zu besprechen. Das Diplom habe ich innerhalb von drei Jahren erreicht. Das hat mir eine Menge Spaß gemacht, weil ich viele neue Sachen gelernt habe und mich so auch von dem Stereotyp Fußballer abgrenzen konnte.

Ein interessanter Ansatz.
Heute studieren immer mehr junge Spieler nebenbei, zu meiner Zeit aber war das eher selten. Gleichzeitig konnte mich das Studium in stressigen Situationen auch vom Fußball ablenken. Es war angenehm, abends nach Hause zu kommen und noch zwei, drei Stunden für die Uni zu pauken.

Was war die schwierigste Klausur, die Sie geschrieben haben?
Eine Ernährungsklausur, die habe ich erst im zweiten Anlauf geschafft.

Haben Sie denn trotzdem was vom berühmten Studentenleben mitgenommen, legendäre Partys gefeiert oder Kurse geschwänzt? 

Ich habe wenig von dem gemacht, was ein Studentenleben so auszeichnet. Durch die Freiheiten, die ich gewährt bekommen habe, hatte ich leider auch keinen großen Kontakt zu meinen Kommilitonen. Aber an eine spezielle Situation im Studium kann ich mich bis heute erinnern.