2016
Dieses Special wird präsentiert von: 
Levi’s®

Was vermittelt der FC St. Pauli für ein Lebensgefühl, Boys Noize?

»Der Verein ist Punk«

Boys Noize ist einer der angesagtesten DJs der Welt. Wie er als Jugendlicher die Spiele St. Paulis vom Baum verfolgte und was es mit dem Stani-Pulli auf sich hat, erklärt er im Interview.

check your head

Alexander Ridha, wer hat mehr Likes auf Facebook. »Boys Noize« oder der FC St. Pauli?
Ganz klar der FC St. Pauli.

Ich muss Sie enttäuschen. Sie haben über 100.000 Likes mehr als der Verein Ihres Herzens.
Krass, damit hätte ich nicht gerechnet.

Sie sind in Hamburg geboren und aufgewachsen, hatten also früh die Wahl zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli. Die Wahl fiel auf St. Pauli. Warum?
Ich wurde vor gut zwanzig Jahren Pauli-Fan. Als Kind hat mich der Stadtteil St. Pauli mit der Reeperbahn und seiner Ausstrahlung sehr gereizt. Ich durfte da nicht hin, habe immer nur Geschichten gehört und daher habe ich recht schnell Sympathie für St. Pauli aufgebaut. Außerdem mochte ich die damalige Fan-Szene des HSV nicht sonderlich gerne, weil sich dort viele Faschisten aufhielten. Das hat sich zum Glück in den letzten Jahren geändert.

Wann ging es denn dann richtig los?
Als ich in der fünften Klasse war, habe ich meinen ersten St. Pauli-Zeckenpulli bekommen und meine Haare halb rasiert. Spätestens da war ich komplett drin. Bei den ersten Spielen bin ich mit meinen Kumpels immer noch heimlich über einen Zaun geklettert, obwohl die Tickets nur fünf, sechs Mark kosteten. Dann habe ich mir aber irgendwann eine Dauerkarte für die Nordkurve geholt. Obwohl ich eine Karte hatte, habe ich viele Spiele auf einem Baum verfolgt, da es manchmal einfach zu voll war.

Klingt nach einer intensiven Zeit.
Ich kann mich auch noch genau an die Aufstiegssaison 1994/1995 erinnern. Wir hatten am letzten Spieltag ein Heimspiel gegen Homburg und haben 5:0 gewonnen. Meine Jungs und ich sind direkt nach dem Spiel auf den Rasen und dann hat mir Holger Stanislawski ein Autogramm auf meinen Pullover gegeben. Diesen Pulli trage ich auch heute noch. Leider sieht man das Autogramm nicht mehr so gut wie noch vor zwanzig Jahren, aber der Pulli ist für mich das teuerste Stück überhaupt, was sich in meinem Schrank befindet.

Haben Sie selbst Fußball gespielt?
Ich habe es mal im Verein ausprobiert, aber das war nichts für mich. Trotzdem war ich immer froh, wenn ich nach der Schule oder am Wochenende auf dem Bolzplatz war und dort mit meinen Freunden ein bisschen kicken konnte. 

Aber Sie hatten doch sicher ein Idol, oder?
Mir ging es nie so wirklich um einzelne Spieler. Klar hatte ich Sympathien für Stanislawski oder auch Klaus Thomforde, aber für mich war das Gesamtkonstrukt FC St. Pauli entscheidend. Da standen meine Clique und ich voll hinter. Pauli war für uns eine Lebenseinstellung, eine Art Ideologie, die ich auch heute noch in meiner Musik wiederfinde.