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Was Toni Kroos mit seiner Kritik meinte

»Es macht Spaß, schlecht über uns zu sprechen«

Toni Kroos schoss das wichtige 2:1, doch nach Spielschluss beklagte er, dass viele Menschen der Nationalelf das Ausscheiden wünschen. Was genau er damit meinte, erklärt er im Interview in der Mixed-Zone. 

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Toni Kroos, Sie haben durch einen Fehlpass den deutschen Rückstand verursacht, und einen phantastischen Siegtreffer geschossen. Mit was für einem Gefühl fahren Sie heute nach Hause?

Mit einem guten, weil wir uns belohnt haben für ein mehr als ordentliches, ich würde fast sagen gutes Spiel. Wir waren heute über weite Teile sehr dominant, haben hohen Druck gemacht, haben uns durchkombiniert über Außen. Wir haben flache Bälle reingespielt, was den Schweden weht tut.

Haben Sie sich in der zweiten Halbzeit noch mehr reingehängt, weil Sie das Gegentor verursacht hatten?

Der Eindruck täuscht nicht. Wir brauchen nicht darüber zu reden, dass das 1:0 auf meine Kappe geht. Es war ein relativ einfacher Fehlpass, der mir sonst nicht passiert. Aber wenn du im Spiel 400 Pässe spielst, kommt auch mal einer nicht an. Dann gibt es allerdings zwei Richtungen: Entweder macht das dein Spiel kaputt oder du haust alles rein und versuchst anzutreiben. 

Trotzdem war die Mannschaft in der 95. Minuten nur noch einen Moment vom fast sicheren Ausscheiden entfernt. Wussten Sie gleich, dass Sie den Freistoß direkt aufs Tor schießen würden?

Ich habe mir die Situation erstmal angeschaut, und es war übers Spiel schon so, dass hohe Flanken von den Schweden relativ einfach rausgeköpft wurden. Marco wollte zuerst direkt schießen, aber das habe ich gesagt: Davon bin ich nicht überzeugt! Also haben wir uns dafür entschieden, den Ball reinzuspielen, um einen etwas besseren Winkel für den Schuss zu bekommen. 

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als der Ball drin war?

Im ersten Moment große Freude, aber im nächsten Moment habe ich gedacht: Wie lange haben wir denn noch, denn da kommen sicherlich noch ein, zwei lange Bälle von den Schweden? Wir waren ja nicht nur einer weniger, sondern hatten auch noch relativ viele kleine Leute auf dem Platz und Schweden viele große.

Sie haben im zentralen Mittelfeld erst mit Sebastian Rudy und dann Ilkay Gündogan gespielt, wie wohl haben Sie sich damit jeweils gefühlt?  

Für mich macht das keinen Unterschied. Ich finde, dass Sebastian das wirklich gut gemacht hat in der ersten halben Stunde, wie wir es als Mannschaft fußballerisch am Anfang wirklich gut gemacht haben. 

Sie haben im Fernsehen beklagt, dass sich viele in Deutschland das Ausscheiden der Nationalmannschaft wünschen würden. Woraus speist sich dieser Eindruck?

Eine sehr gute Frage. Ich gewöhne mir immer mehr ab, nach Spielen was anzuschauen oder zu lesen. Aber wer sich heutzutage alles zu Wort meldet und was geschrieben wird…

Meinen Sie die Experten?

Nicht nur. Es dürfen sich auch alle angesprochen fühlen, die schreiben. Bei mir gab es in den letzten vier, fünf Tagen das Gefühl, dass es viel mehr Spaß macht, schlecht über uns zu reden, zu schreiben und zu analysieren als andersherum. Wenn das falsch sein sollte, tut es mir leid. Von all denen, die uns die Körpersprache absprechen, bekommen wir keine Hilfe. Es wird uns keiner zum Titel schreiben, das müssen wir selber machen. Das muss von uns kommen. 

Was kann so emotionaler Erfolg auslösen?

Wir sind erstmal froh, denn jeder kann die Konstellation in der Gruppe lesen, was es bedeutet hätte, wenn wir nicht gewonnen hätten. Das ist eine Vorlage, um gute Gefühle mitzunehmen. Trotzdem haben wir Mittwoch das nächste KO-Spiel.