Was macht André Schubert so erfolgreich?

»Was passiert bei Misserfolg?«

Schubert hat die ersten sechs Partien als Trainer von Borussia Mönchengladbach gewonnen, besser ist noch kein Übungsleiter in der Klubgeschichte gestartet. Wie hat er das geschafft?
André Schubert hat zwei sehr entscheidende Qualitäten, die ihn für die Nachfolge von Lucien Favre prädestiniert haben. Erstens: er ist fachlich top, war Jahrgangsbester in seinem Trainerlehrgang und ist einfach ein unheimlich kompetenter Trainer. Zweitens: er hat so eine Art, die ihn in die Köpfe der Spieler vordringen lässt. Dazu kommt, dass er ein glaubwürdiger Trainer ist. Bis auf den vielleicht fehlenden Stallgeruch – wenn der denn wirklich nötig ist – bringt er alles mit, um als Trainer in der 1. Bundesliga erfolgreich zu sein.

Schubert selbst bleibt bescheiden, wenn man ihn auf den plötzlichen Erfolg der Gladbacher anspricht und betont, dass er lediglich ein wenig an den Schrauben gedreht habe. Was meint er damit?
Das ist ja weiterhin die Mannschaft von Lucien Favre. Aber André hat es nicht nur geschafft, der Truppe neues Leben einzuhauchen, er hat auch entscheidende Veränderungen vorgenommen. Er hat Lars Stindl in den Sturm gestellt, Xhaka zum Kapitän gemacht und weiterhin auf Mahmoud Dahoud in der zentralen Defensive vertraut. Dem hatte ja noch Favre zum Debüt verholfen. Unter André scheint er sich in jedem Spiel weiterzuentwickeln.


(André Schubert mit unserem Interviewpartner Aljoscha Pause, Foto: Pausefilm)

Welche Schwächen hat André Schubert?
Es klingt paradox, aber das was vielleicht mal seine Schwäche war – nämlich in seiner Akribie zu überziehen – ist jetzt eigentlich eher eine Stärke geworden. Weil er diese Erfahrung bereits gemacht hat, dazu gelernt hat und großen Wert auf eine Balance legt. Natürlich muss sich dieses neue Gleichgewicht auch noch bewähren, wenn sich mal Misserfolge einstellen sollten. Bislang gewinnt er ja fast jedes Spiel.

Was glauben Sie?
Ich denke, er hat die richtigen Schlüsse gezogen. Was ihn meiner Meinung nach zu einem geeigneten Kandidaten für einen Langzeit-Job in der Bundesliga macht.

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl scheint davon noch nicht zu 100 Prozent überzeugt zu sein. Schubert ist weiterhin offiziell als Interimstrainer tätig.
Ich glaube schon, dass Eberl überzeugt ist. Aber die Gladbacher machen doch gerade alles richtig und halten sich alle Türen offen. Im Moment läuft es fantastisch, also warum die Situation ohne Not verändern? Ich denke, auch Eberl möchte abwarten, wie es sich entwickelt, auch bei etwaigem Misserfolg. Trotzdem bin ich sehr davon überzeugt, dass André Schubert der richtige Trainer für diesen Verein ist. Es passt einfach.

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Wer Aljoscha Pauses Film »Trainer!« noch nicht gesehen hat, sollte das zügig nachholen – es lohnt sich. Wer mehr über unseren Interviewpartner wissen möchte, ist HIER richtig aufgehoben.