Was ist die Aufgabe eines Kapitäns, Fabian Lustenberger?

»Ich verstehe mich als Helfer«

Lässt der Trainer Sie teilhaben an seinen Plänen, fordert er Ihre Meinung zu taktischen und personellen Entscheidungen ein?
Sowohl als auch. Grundsätzlich ist der Trainer der letzte Entscheidungsträger, der ja auch - übertrieben ausgedrückt - den Kopf hinhalten muss. Aber der Trainer nimmt sich auch andere zur Seite und fordert Meinung und Reflexion ein.

Anders gefragt: Halten Sie das Amt des Kapitäns für überhöht?
Ja und nein. Führung ist schon nötig, aber das Wie ist entscheidend. Wir leben heute nicht mehr im Früher, wo Kapitäne noch über allem standen. Nehmen Sie die deutsche Nationalmannschaft, wo die Hierarchien flacher und dadurch moderner und lebensnäher geworden sind. Dort verteilt sich Führung auf mehrere Schultern. Früher führte Michael Ballack von oben, allein. Heute lenken vier, fünf Spieler. Außerdem würde mir schon vom Auftreten her die Präsenz eines Ballack oder eines Stefan Effenberg fehlen. Ich bin keiner, der, um ein Zeichen setzen zu wollen, einen mal weghaut auf dem Platz und dröhnt. Bei uns im Team haben wir auch mehrere, die Verantwortung übernehmen oder das Wort ergreifen.

Sie meinen Spieler des Mannschaftsrats?
Wir haben gar keinen offiziellen Mannschaftsrat. Aber wenn Gespräche stattfinden, dann ist klar, dass John Heitinga dabei ist und Thomas Kraft und Peter Niemeyer, mein Vorgänger als Kapitän. Auch Marcel Ndjeng und Sandro Wagner sind schon länger dabei und haben Erfahrung.

Was sind denn die Themen, mit denen Sie auf den Trainer zugehen?
Meist sind es Kleinigkeiten. Wenn wir beispielsweise ein Auswärtsspiel haben und als Team gern noch ein gemeinsames Mittagessen hätten, bevor es zum Flughafen geht. Das muss der Trainer absegnen. Oder wenn ein Training um 15 Uhr ansteht, in der Mannnschaft aber der Wunsch besteht, es vielleicht um eine Stunde vorzuverlegen. Das kläre ich dann gern ab. Viel Organisatorisches eben.

Was von Ihrem Naturell hilft Ihnen dabei, das Amt auszufüllen, und was davon steht Ihnen im Weg?
Gute Frage! Also im Weg stehen, nein, da fiele mir jetzt nichts Konkretes ein. Was mir hilft, ist, dass ich bin, wie ich bin. Ich habe mich nicht geändert, nur weil ich jetzt am Wochenende die Kapitänsbinde trage oder vielleicht etwas mehr in der Öffentlichkeit stehe. Ich bin authentisch. Ich versuche das Beste rauszuholen, an erster Stelle aus mir, um so auch der Mannschaft helfen zu können. Als Kapitän musst du dir treu bleiben und nicht zum Großmaul werden. Ich bringe mich so gut ein, wie es eben geht. Mit meiner Art und meinem Spiel.

Und wo sind Sie am wertvollsten für die Mannschaft? In der Innenverteidigung, oder doch im zentralen Mittelfeld?
Letztlich stellt doch der Trainer so auf, wie er es für das Beste für die Mannschaft hält. Wenn er mich im defensiven Mittelfeld braucht, bin ich dazu gern bereit. Und wenn er denkt, dass ich wertvoller als Innenverteidiger bin, spiele ich halt dort.

Sie weichen aus. Bringt Sie das Amt etwa in den Konflikt, sich bedingungslos in den Dienst der Mannschaft zu stellen oder auf Ihren Anspruch als Kapitän zu pochen, dort zu spielen, wo Sie möchten?
Oh nein, ich brauche nicht die Macht, um zu sagen, ich spiele jetzt doch mal besser dort. Ich verstehe mich als Helfer für die Mannschaft, ob mit oder ohne Binde.

Aber sagen Sie dem Trainer nicht, wo Sie spielen wollen?
Wenn ein solches Gespräch stattfindet und er mich fragt, aber ja. Ich kann ja auch beides. Ich habe zweieinhalb Jahre als Innenverteidiger gespielt, davor vier Jahre auf der Sechs.

Was sagt Ihnen Ihr Gefühl?
(lacht) Das ist für mich schwierig. Für das erste Spiel ist Hajime Hosogai gesperrt, da werde ich wahrscheinlich eins hochrücken und im Mittelfeld spielen. Und dann lass ich mich mal überraschen.

Aber die Mannschaft braucht jetzt keine Überraschungen.
Richtig, wir brauchen Sicherheiten und Konstanz. Aber auf mich bezogen wäre es keine große Umstellung, ob ich nun hier oder dort spiele. Der Kapitän in mir ist da ganz gelassen.

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Der Artikel ist in der heutigen Ausgabe des Tagesspiegels erschienen