Was ist die Aufgabe eines Kapitäns, Fabian Lustenberger?

»Du musst kein Großmaul werden«

Früher sahen Kapitäne aus wie Stefan Effenberg oder Michael Ballack. Einige nannte man Platzhirsche, andere Aggressive Leader. Fabian Lustenberger von Hertha BSC ist da ganz anders. Was sollte ein moderner Kapitän können?

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Fabian Lustenberger, wie würden Sie Ihr Naturell beschreiben?
Gemeine Frage. So eine Selbstbeschreibung ist immer schwierig. Ich glaube, dass ich ein kommunikativer und offener Typ bin, wenn ich die Leute kenne. Sonst bin ich eher zurückhaltend. Wenn ich sie aber kenne und eine Beziehung habe, dann bin ich einer, der Wert darauf legt, dass es auch immer was zu lachen gibt.

Fällt es Ihnen schwer, Entscheidungen zu treffen?
Nein, das nicht. Vor allem auf dem Fußballplatz sollte das auch nicht sein. Da ist Handlungsschnelligkeit gefordert. Aber ich bin auch sonst nicht der Typ, bei dem es so lange dauert mit Entscheidungen.

Würden Sie sich als temperamentvoll bezeichnen?
Ich kann, muss es aber nicht sein. Hört sich vielleicht ausweichend an, ist aber so. Wenn es nötig ist oder ich das Gefühl habe, dass etwas nicht passt, dann kann ich dazwischenfahren. Ich nehme mal an, dass Sie auf meine Rolle als Kapitän anspielen. Dann sage ich Ihnen, dass ich schon versuche, alles irgendwie harmonisch zu lösen, mit Argumenten und Austausch.

Nun ist eine Fußballprofimannschaft eine sehr spezielle Gruppe. Wie viel Harmonie verträgt ein solches Gebilde aus Leistungsdruck, Konkurrenz und Öffentlichkeit?
Das ist doch sehr resultatabhängig. Wenn es gut läuft, herrscht weitgehend Harmonie. Zwischen Mannschaft und Fans, zwischen Mannschaft und Trainer und so weiter. Dann musst du nicht auf Teufel komm raus das nächste Spiel gewinnen. Wenn es nicht so läuft, wankt es gelegentlich. Für mich ist dann wichtig, dass man trotzdem die Harmonie behält und versucht, die Aufgaben oder Probleme gemeinsam zu bewältigen.

Hört sich wie im Film an. Sieht so die Realität unter Fußballern aus?
Das gehört auch zur Realität, wir betreiben einen Mannschaftssport. Die Gruppe zählt, nicht das Ego. Was aber nicht heißt, dass es im Training nicht auch mal richtig zur Sache geht, es nicht auch mal kracht und zwei Spieler nicht auch mal aneinandergeraten. Harmonie darf nie die Konfliktfähigkeit einer Mannschaft betäuben.

Sie haben sich das Kapitänsamt nicht ausgesucht. Sie haben sich durch Ihre Leistungen und Ihr Wesen so reingespielt. Was haben Sie über- und was unterschätzt?
Wenn es wie in der Hinrunde der vergangenen Saison sportlich gut läuft, ist es schlichtweg egal, wer Kapitän ist. Dann fällt auch nichts auf einen zurück. Da spielt der Rechtsverteidiger gut, da spielt der linke Flügel gut, und da spielt der Kapitän gut. Dann sind die Fans zufrieden, und selbst die Berichterstattung fällt entsprechend aus. Wenn es nicht so läuft, ist man als Kapitän - und das bitte ich richtig zu verstehen - schneller in der Kritik. Das ist kein großes Problem, aber das habe ich unterschätzt.

Sie fühlen sich ungerecht behandelt?
Nein, darum geht es mir nicht. Sondern darum, dass einem als Kapitän nicht die Zeit in der Beurteilung gelassen wird, die er vielleicht braucht nach einer langen Verletzung und die anderen gewährt wird. Von mir wurde nach einem siebenmonatigen Ausfall sofort Leistung verlangt. Wenn jemand anderes nach einem Kreuzbandriss oder so nach sechs oder sieben Monaten zurückkehrt, wird er nachsichtiger beurteilt. Das stört mich nicht mehr, aber das kam so unvermittelt auf mich zu, und dann habe ich mir eben meinen Teil gedacht.

Was haben Sie sich gedacht?
Ja, unfair ist das falsche Wort, es geht in unserem Sport nicht immer nur um Fairness. Aber es werden nicht gleiche Maßstäbe angelegt.

Vielleicht verknüpfte der eine oder andere Fan mit Ihnen einfach eine größere Hoffnung als bei anderen Rückkehrern?
Kann sein, das ist auch ihr gutes Recht. Ich habe mir auch mehr erhofft, nämlich dass ich möglichst schnell wieder reinkomme. Aber es ist nicht so einfach, wieder auf Topniveau zu kommen, wie man es sich wünscht oder denkt. Es war beileibe nicht alles perfekt bei mir in der Hinrunde, aber als ein Unsicherheitsfaktor, wie mich Teile der Medien sahen, habe ich mich nun auch nicht gefühlt. Aber egal, jetzt bin ich froh, dass ich die komplette Vorbereitung mitmachen und fit in die Rückrunde starten kann.

Wie sieht denn ein typisches Trainer-Kapitän-Verhältnis aus?
Ich brauche nicht jede Woche ein Feedback vom Trainer. Ich muss auch nicht jede Woche mit ihm gesondert eine halbe Stunde reden. Wenn was ansteht, reden wir. Mal auf dem Platz, mal im Trainerzimmer, wir finden ein Plätzchen. Das sind oft kurze, kleine Gespräche, die immer mal wieder stattfinden. Das regelt einfach der Bedarf.

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