Was ist das Besondere an Arminia Bielefeld, Fabian Klos?

Darmstadt ist mit unserer Geschichte verbunden

Sie sind jetzt seit fünf Jahren bei Arminia. In dieser Zeit ist dort extrem viel passiert – Aufstieg, Abstieg, Aufstieg, Fast-Bankrott. Wie haben Sie die Zeit bisher erlebt?

Ich hab in diesen fünf Jahren wahrscheinlich mehr erlebt, als viele andere Spieler in ihrer gesamten Karriere. Das ist schon etwas besonderes bei Arminia zu spielen. Langweilig ist es auf jeden Fall noch nie geworden. Es ist mir definitiv lieber, bei so einem Verein zu spielen, als bei irgendeinem anderen »langweiligen« Verein. Es ist eben auch was ganz Spezielles wenn man sieht, was sich in der Fan-Szene abgespielt hat, nach dem wir so unfassbar bitter gegen Darmstadt abgestiegen waren. Das ganze Umfeld hat die Ärmel hochgekrempelt und sich nicht kaputt machen lassen. Das zeigt, welch tiefe Verbundenheit zur Arminia in der Region und in der Stadt selbst steckt.

Jetzt haben Sie es bereits angesprochen: Das dramatische Rückspiel in der Relegation zur zweiten Liga in der Saison 2013/2014 gegen Darmstadt wird vielen Fans in Deutschland noch im Kopf sein. 

Wo ich zum Zeitpunkt des entscheidenden Darmstädter Tores in der 120. Minute schon gar nicht mehr auf dem Feld war, weil ich ausgewechselt wurde. Mich hat es während der Verlängerung nicht länger am Spielfeldrand gehalten, sodass ich nach unten in die Kabinen gegangen bin. Ich hab mich dort dann in einen Raum gesetzt, in dem kein Fernseher stand. Es herrschte wirklich totale Stille. Ich hab dann immer wieder auf die Uhr geguckt und gedacht, jetzt müsste es doch gleich zu Ende sein. Wir lagen 3:2 zurück, was uns den Klassenerhalt in der zweiten Liga gesichert hätte. Das Fenster in dem Raum stand offen. Ein paar Fans gingen dann an diesem Raum vorbei und das Erste, was ich hören konnte, war: »Es war klar, dass uns das wieder passiert.« In dem Moment kam unser Mannschaftsarzt rein. Das Spiel war zu Ende und wir hatten tatsächlich noch 4:2 verloren. Ich hatte keine Gedanken mehr, war absolut leer und konnte es nicht glauben.

Umso erstaunlicher, was Darmstadt derzeit in der Bundesliga abliefert. Verfolgen Sie die Spiele und den Werdegang Darmstadts seit dieser extremen Erfahrung eigentlich mit einem Auge?
Aufgrund des Rückspiels in der Relegation muss ich sagen, dass ich immer gucke, was Darmstadt so macht. Dieser Verein ist jetzt einfach mit der Lebensgeschichte von Arminia und mir verbunden. Und man muss den Hut vor der Leistung von Darmstadt ziehen. Was die dort in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt haben, ist sehr beeindruckend. Ich gräme mich auch nicht, dies so offen zu sagen.

Zum Glück konnte Arminia sich von dem Abstieg erholen und spielte vergangenes Jahr eine grandiose Spielzeit mit dem direkten Wiederaufstieg und dem Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale. Warum lief es so gut?

Direkt nach dem Abstieg gab es in Bielefeld diese wahnsinnige, positive Aufbruchsstimmung. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, in Bielefeld zu bleiben, um den Abstieg umgehend zu korrigieren. Dass wir so eine gute Saison spielen würden, damit konnte tatsächlich keiner rechnen. Wir hatten vom Spielermaterial letztes Jahr eine richtig gute Truppe, aber trotzdem ist es alles andere als selbstverständlich, nach so einem Abstieg direkt wieder aufzusteigen. Wir hatten zu Beginn der Spielzeit einige Probleme, aber mit der Zeit und dem Erfolg hat sich einfach so eine krasse Euphorie entwickelt, die wir für uns in positive Energie umwandeln konnten. Diese Euphorie war ganz sicher auch ein Grund dafür, warum wir als Drittligist bis ins Halbfinale des DFB-Pokal kamen.



Arminias Fans müssen aus besonderem Holz geschnitzt sein. In der einen Saison die Vollkatastrophe, in der nächsten eine Wundersaison. Sie kennen die Arminia-Fans wie kaum ein Zweiter. Wie würden Sie die Fans beschreiben?

Arminia-Fans müssen vor allem leidensfähig sein. In den letzten Jahren haben Sie ziemlich viel durchmachen müssen. Die Fan-Szene in Bielefeld kann aber auch eine enorme Euphorie entwickeln, die die Mannschaft und Spieler prägt. Diese Saison lief es für uns zuhause leider nicht ganz so gut, aber gerade in der letzten Saison waren wir auch dank unserer Fans eine richtige Heimmacht und blieben lange Zeit ungeschlagen. Das ist schon eine extreme Verbundenheit, die jeder Fan über Jahre mit diesem Verein entwickelt hat. Das hätte ich vor meinem Wechsel nach Bielefeld in der Form nicht erwartet.

Sie sind Torjäger, Kapitän und Fan-Liebling. Trotzdem sind Sie nicht zu schade, die Fans auch mal zu kritisieren oder Ihre eigene Meinung zu sagen. Vor einigen Wochen im Heimspiel gegen Kaiserslautern haben Sie sich noch auf dem Platz über einige Fans (»Idioten«) aufgeregt. 

Ich bin jetzt schon lange in Bielefeld und mein Ansehen hat sich in dieser Zeit sowohl im Verein als auch im medialen Umfeld natürlich deutlich geändert. Trotzdem habe ich immer gesagt: »Es wird nicht passieren, dass ich mich ändere. Ich werde auf jeden Fall so bleiben, wie ich bin.«Ich bin jemand, der immer seine Meinung äußert und im Heimspiel gegen Kaiserslautern konnte ich natürlich verstehen, dass die Fans unzufrieden mit unserer Leistung waren. Keine Frage, das waren wir auch. Trotzdem dürfen einige Fans nicht vergessen, wo wir herkommen und dass der Klassenerhalt über allem steht. Daher habe ich die Pfiffe gegen uns absolut nicht verstanden. Da ich beim Fußball ein sehr emotionaler Mensch bin, habe ich dann ein paar Sätze von mir gegeben, die so nicht fallen dürfen. Aber dazu stehe ich und bin mir nachher auch nicht zu schade, mich dafür zu entschuldigen. Ich positioniere mich klar und die Fans wissen, dass so etwas auch mal passieren kann, weil ich eben mit Herz und Seele dabei bin.