Was Herthas U23-Trainer Ante Covic über Kroatiens Finalchancen denkt

»Kroatien besitzt so viel Gier«

Ante Covic war kroatischer U21-Nationalspieler und Bundesligaprofi für Hertha BSC. Im Interview spricht er über die kroatische Mentalität, das Erfolgsrezept von Trainer Zlatko Dalic und Titelchancen. 

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Herr Covic, wie haben Sie den Sieg der Kroaten erlebt?
Wenn wir zu Hause die Spiele gucken, haben wir immer die Tradition, dass wir gemeinsam Cevapcici, Pljeskavica und scharfe Zwiebeln essen. Wobei ich gar nicht so viel zum Essen gekommen bin, so spannend wie es war. Aber auch nach der dritten Verlängerung in Folge habe ich all meine Fingernägel noch. Es ist wirklich wahnsinnig, was die Mannschaft geleistet hat.

Warum ist das Team so stark?
Es ist eine sehr erfahrene Mannschaft und die Spieler stehen alle bei europäischen Topvereinen unter Vertrag. Der Glaube an sich selbst ist also immer vorhanden. Ein weiterer Grund für den Erfolg ist: Die Stammspieler haben bei ihren Vereinen so einen guten Stand, dass keiner für einen neuen Vertrag vorspielt - und sich über die Nationalelf profilieren muss. Alle ordnen sich dem Teamerfolg unter.

Das war zuletzt nicht immer so?
Leider ja. In den vergangenen Jahren haben Nationalspieler, die noch in Kroatien spielten, versucht sich über die Nationalelf für bessere Klubs in Europa zu empfehlen. Das führte natürlich zu Interessenskonflikten. Aber dem hat der Trainer Zlatko Dalic früh einen Riegel vorgeschoben.

Überhaupt scheint der Trainer, der zuvor lange in den Vereinigten Arabischen Emiraten gearbeitet hat, das richtige Rezept für die Kroaten gefunden zu haben.
Dalic ist weit gereist. Er verbindet die kroatische Lockerheit mit einem gewissen Fleiß. Und er stellt sich nie in den Vordergrund, aber er ist sehr konsequent. So hat er den Ersatzstürmer Nikola Kalinic nach Hause geschickt, weil dieser sich nicht einwechseln lassen wollte. Wir Kroaten hatten immer gute Einzelspieler, aber dieses Mal haben wir auch einen überragenden Teamgeist.

Und ein beeindruckendes Mittelfeldduo mit Luka Modric und Ivan Rakitic.
Die beiden funktionieren bei der WM so gut zusammen, weil sie nicht mehr als Sechser spielen. Dalic hat das Spielsystem geändert und hinter Modric und Rakitic einen Sechser als reinen Balleroberer gestellt. So sind die beiden näher am gegnerischen Tor und können den Gegnern mehr wehtun. Modric und Rakitic sind aber auch die Taktgeber, was die Mentalität angeht.

Die aktuelle Mannschaft wurde immer mit den Bobans, Sukers und Soldos verglichen, die 1998 ins WM-Halbfinale kamen. Davon konnten sie sich nun befreien, oder?
Dieser Vergleich nervt das Team sehr. Sie wollen ihre eigene Geschichte schreiben. Diese Mannschaft besitzt einfach so viel Gier und Herzblut.

Kann es sie nun zum Titel tragen?
Es ist nur noch ein Spiel. Und da ist alles möglich.