Warum werden Fans von der Polizei überwacht?

Immer mehr Fans sind von polizeilichen Maßnahmen betroffen

Bislang weiß man von acht Bundesländern, die eine solche Datei führen. Was glauben Sie wie viele Bundesländer diese Geheimdatei noch führen?
Entsprechende Anfragen von verschiedenen Politikern in den Landtagen laufen, teilweise haben Kolleginnen und Kollegen aus den Fanprojekten diese Anfragen mit angeregt. Ich vermute, dass schon bald herauskommt, das wahrscheinlich vierzehn von sechzehn Bundesländern eine solche Datei führen.

Neu an der Datei ist, dass auch SKBs Daten sammeln und verwerten. Muss man deren Arbeit nun anders bewerten als vorher?
Ein Beispiel: Ein SKB beobachtet am Spieltag, dass sich Fan A mit Fan B lange unterhält. Fan A ist derjenige, der in der Vergangenheit schon mehrmals vernommen wurde, der »Böse«. Über Fan B aber weiß der SKB nichts. Es ist sein Job, das zu sehen, sich das zu merken, aber es ist nicht gerechtfertigt, Fan B deshalb womöglich auch in diese Datei einzubauen und diese Daten anderen zur Verfügung zu stellen und dadurch wohlmöglich noch Teil einer Polizei-Präventiven-Maßnahme, wie zum Beispiel eines Bereichsbetretungsverbotes, zu werden. Niemand kann nachvollziehen, welche Daten von wem zu welchem Zweck gesammelt werden. Leider müssen wir beobachten, dass immer mehr Fans von polizeilichen Maßnahmen betroffen sind.

Die Polizei sagt, dass der Vorwurf der Geheimhaltung abstrus sei, weil Ermittler nicht immer darüber informieren können, was sie unternehmen.
Die Polizei kann nicht zu 100 Prozent transparent arbeiten, das ist richtig. Das mindeste aber, was passieren muss, ist, dass die Polizei ihr Handeln auf eine rechtliche Grundlage stellt oder aber klare Kriterien nennt. Ich bin der Auffassung, die Polizei könnte noch transparenter sein, ohne dabei ihre Ermittlungsergebnisse zu gefährden. Der Satz »Wir machen das für mehr Sicherheit« klingt aber in der sehr aufheizten Stimmungslage gerade sehr stark und wird zu wenig hinterfragt. Warum sollen alle Fußballfans ein Sicherheitsrisiko sein? Oder anders gefragt: Warum sollte jeder Stadionbesucher ein potentieller Eintrag in einer Datei sein?

Können sich Fans dagegen wehren?
Wer sich betroffen fühlt, kann formlos oder mit einem vorgefertigten Formular eine Auskunft bei der zuständigen Polizeibehörde anfragen. Wenn man eine Löschung erwirken möchte, sollte man sich einen Rechtsbeistand suchen.

Mit den Fanprojekten leisten Sie vor allem Sozialarbeit und betreiben pädagogische Aufklärung. Was bedeuten die Enthüllungen dieser Geheimdatenbanken für Sie?
Wir wollen und sollen jungen Heranwachsenden gesellschaftliche Zusammenhänge vermitteln und Verständnis für die Arbeit von anderen wecken. Dazu gehört es auch, die Aufgabe der Polizei in einem Rechtsstaat darzustellen. Leider sehen wir bei den SKB-Dateien, dass sich die Polizei selbst nicht an geltendes Recht hält. Das erschwert unsere Arbeit ungemein. Solche Enthüllungen beflügeln die Meinung derjenigen, die meinen, sie müssen mit der Polizei ohnehin nicht reden.