Warum Sol Campbell immer noch keinen Job als Trainer hat

»Dass ich keinen Verein habe, schmerzt mich jeden Tag«

2015 wollten Sie Bürgermeister von London werden, das kam nicht überall gut an.
Engländer haben Probleme damit, wenn sich ein Sportler politisch äußert. Da heißt es schnell: Bleib bei dem, was du kannst. Aber zeichnet es einen Menschen nicht aus, wenn er über den Tellerrand blickt? Sich etwas zutraut? Visionen hat und diese umsetzen will?

Würden Sie sagen, der kurze Ausflug in die Politik war ein Fehler in Bezug auf Ihre Karriere als Trainer?
Vielleicht hätte ich heute bessere Chancen, wenn ich das nicht gemacht hätte. Dann würde niemand sagen: Sol, das ist doch dieser Übergeschnappte, der Bürgermeister von London werden wollte. Aber so sehe ich die Dinge nicht. Ich bin froh über alles, was ich damals gelernt habe. Zum Beispiel das freie Sprechen. Ich weiß jetzt, wie man sich verkauft, in einem positiven Sinne. Das ist wichtig, wenn man als Trainer arbeiten will.

Was machen Sie im Moment so?
Ich habe eine Stelle als Assistenztrainer bei der Nationalmannschaft von Trinidad und Tobago angenommen. Da schule ich unsere Abwehrspieler und gebe mein Wissen weiter. Dazu gehe ich zu großen Klubs und schaue, wie die Trainer dort arbeiten. Ich war bei Sampdoria Genua und dem AC Mailand, bei Patrick Vieira in New York habe ich auch hospitiert. Außerdem lerne ich Italienisch, um für den Markt dort interessanter zu werden.

Würden Sie Deutsch lernen, um bei einem deutschen Team zu arbeiten?
Zuerst würde ich das Team kennenlernen wollen. Ich muss wissen, wie sehr man mir vertraut und was ich bewegen kann. Wenn ich den Eindruck habe, dass der Verein zu mir passt, würde ich sofort damit anfangen, die Sprache zu lernen, auch nachts. Als Trainer muss man sich aufopfern für den Erfolg.

Was für ein Trainer wären Sie?
Ich wäre als Trainer so, wie ich auch als Mensch bin: zurückhaltend, aber im entscheidenden Moment explosiv. Das heißt: Aufbauend auf einer guten Defensive würde ich kontern und schnell nach vorne spielen. Ich bin ein vorsichtiger Mensch, aber wenn ich etwas will, dann gebe ich alles.

Was ist denn, wenn trotz Ihres Gehaltsverzichtes keine Angebote kommen?
Daran denke ich jetzt noch nicht. Momentan spüre ich puren Willen. Dass ich keinen Verein habe, schmerzt mich jeden Tag.