Warum läuft es bei Ihnen wieder, Sandro Wagner?

»Es gibt immer jemanden, der besser ist«



An England haben Sie ja noch gute Erinnerungen. Wie oft denken Sie noch an den 29. Juni 2009?

Gar nicht mehr.

War das nicht der schönste Tag Ihrer Karriere? Sie schossen im Finale der U21-EM zwei Tore beim 4:0 über England und feierten den Titel.
Natürlich war das ein tolles Ereignis, aber ich bin einfach nicht der Typ, der in der Vergangenheit lebt. Mich interessiert nur der Moment. Ich habe von der EM nicht mal irgendwas zu Hause hängen, was mich daran erinnern könnte.

Sie waren damals 21 und galten als große Nachwuchshoffnung im deutschen Fußball. In der Vorsaison waren Sie vom FC Bayern nach Duisburg gewechselt und konnten sich mit dem MSV in der Zweiten Liga beweisen. In 39 Spielen schossen Sie 14 Tore und legten elf weitere auf. Dann riss ein Kreuzband und Ihre Karriere kam ein wenig ins Stocken. Denken Sie manchmal, was hätte werden können, wären Sie gesund geblieben?
Nein. Ich bin sehr, sehr zufrieden, wie meine Karriere bisher gelaufen ist. Ich habe schon über 100 Bundesligaspiele absolviert, in der Champions League gespielt, gute Verträge unterschrieben. Es gibt doch immer jemanden, der eine bessere Karriere hinlegt als man selbst, egal wie man heißt, egal in welcher Branche man arbeitet. Dankbar, das bin ich, schließlich hätte auch alles anders laufen können. Und: Mit 28 befinde ich mich gerade im besten Fußballeralter, da habe ich noch ein paar gute Jahre vor mir.

Das bestreiten wir auch nicht. Aber Sie müssen doch zugeben, dass es nach der Verletzung zunächst nicht so rund für Sie lief.
Natürlich haut dich ein Kreuzbandriss in dem Alter aus der Bahn. Aber ich hatte das Glück, dass Werder Bremen mich unbedingt haben wollte zu dem Zeitpunkt und enormes Vertrauen in mich hatte. Viele Vereine hatten zuvor Interesse an mir bekundet, aber Werder war auch noch nach der Verletzung Feuer und Flamme für mich. Deshalb haben Sie mich Anfang 2010 verpflichtet, obwohl klar war, dass ich noch länger ausfallen würde. Es hat dann ja auch noch einige Zeit gedauert, bis ich wieder in Tritt gekommen bin,...

...genauer gesagt bis Frühjahr 2011, also erst ein Jahr später. Damals erzielten Sie dann urplötzlich fünf Tore in sechs Spielen...
...und trug mit meinen Treffern zum Klassenerhalt bei in der Saison. Ich übernahm damals in einer schwierigen Phase Verantwortung, war als Elfmeterschütze gesetzt.

Doch dann verletzten Sie sich am Sprunggelenk – und als Sie wieder fit waren, wurden Sie auf einmal nicht mehr berücksichtigt.
Das war leider der Wendepunkt in meiner Bremer Zeit, und für mich ist bis heute unverständlich, wie es dazu kommen konnte. Der Verein und ich hatten damals unterschiedliche Auffassungen davon, wie die Verletzung behandelt werden sollte. Ich will da nicht nachkarten, aber es ist schon extrem schade, wie das damals gelaufen ist.

Vier Ihrer Tore haben Sie diese Saison entweder gegen Bremen oder gegen den jetzigen 96-Trainer Thomas Schaaf erzielt. Hand aufs Herz, spüren Sie da ein wenig Genugtuung?
Überhaupt nicht, da ich gar keinen Groll empfinde. Weder gegenüber Thomas Schaaf, noch gegenüber dem Verein. Thomas Schaaf hatte auf meine Karriere keinen sonderlichen Einfluss, er hat mir weder geholfen noch geschadet. Privat hatte ich in Bremen eine super Zeit und Werder ist ein Hammerverein mit überragenden Fans.

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HINWEIS: Dieses Interview erschien bei uns erstmals vor dem 21. Spieltag