Warum kooperiert Galatasaray mit Wattenscheid 09?

»Vorbild Hamit Altintop«

Seit einem halben Jahr existiert eine sportliche Kooperation zwischen Wattenscheid 09 und Galatasaray. Wir sprachen mit Engin Tuncay, Jugendleiter der Wattenscheider, über die Neuartigkeit der Kooperation und das Vorbild Hamit Altintop.

imago

Engin Tuncay, Sie haben ein Projekt auf die Beine gestellt, bei dem zwischen Wattenscheid 09 und Galatasaray Istanbul Spieler ausgetauscht werden sollen. Was führt den Weltklub nach Wattenscheid?
Der Kontakt zwischen den beiden Vereinen besteht schon seit vier Jahren. Konkret wurde es dann vor etwa einem Jahr. Um den Verein Wattenscheid 09 stand es zu diesem Zeitpunkt nicht gerade gut. Wir brauchten Sponsoren, um die finanziellen Defizite auszugleichen. Ich konnte dann über einen Bekannten den direkten Kontakt zu Galatasaray herstellen, der Verein zeigte sich interessiert und so kam tatsächlich diese Zusammenarbeit zustande.

Spielte der Standort im Ruhrgebiet eine wichtige Rolle?
Als wir den Gesprächspartnern von Galatasaray die Zahlen des Anteils türkischstämmiger Bürger im Ruhrgebiet präsentierten, klappten ihnen die Kinnladen runter. Obwohl bereits viele in Deutschland aufgewachsene Türken in der Türkei spielen, war den Kollegen aus Istanbul dieses Ausmaß nicht bewusst.

Warum hat sich Galatasaray dann nicht Gelsenkirchen oder Dortmund angeschlossen?
Die hohe Dichte an Talenten, viele davon türkischstämmig, war unser großes Plus. Das Problem unseres Vereins war es jedoch, dass wir die Besten der Jugendspieler höchstens bis zur U15 halten konnten, danach war die Perspektive bei uns nicht ausreichend. Meistens wechselten sie anschließend zu den größeren Vereinen in der Region. Durch die Kooperation sind wir finanziell in der Lage die Spieler länger an uns zu binden und Galatasaray kann diese Spieler für deutlich weniger Geld an sich binden, als ähnlich gute Spieler von den größeren Klubs in Deutschland. So profitieren beide davon. Außerdem ist die »türkische Geschichte« von Wattenscheid 09 beachtlich. Hier haben Spieler wie Hamit Altintop, der ja auch heute mit Galatasaray gegen den BVB spielen wird, das Fußballspielen erlernt, was sicherlich auch ein Pluspunkt war.   

Gibt es schon erste sichtbare Erfolge?
Es hat definitiv das Anwerben von Jugendspielern vereinfacht. Erst vor Kurzem konnten wir uns bei einem sehr talentierten Jungen gegen die Konkurrenz aus Essen und Düsseldorf durchsetzen, weil er und seine Eltern von unserem Konzept überzeugt waren. Der Name Galatasaray war dabei natürlich ein Argument.

Also hat sich die Kooperation jetzt schon ausgezahlt?
Dieses Projekt ist langfristig angelegt. Galatasaray hat verstanden, dass diese Kooperation erfolgsversprechend ist, das ist für uns entscheidend. Sobald die ersten Spieler aus unserer U19 in die Türkei wechseln, was ich für realistisch halte, wird die Zusammenarbeit weiter intensiviert. Der große Erfolg besteht darin, dass wir Vorreiter mit diesem Modell sind. Wir haben Anfragen von mehreren Bundesligisten bekommen, wie diese Zusammenarbeit abläuft. Darüber sind wir natürlich stolz. 

Wie reizvoll ist die türkische Liga für die türkischstämmigen Jugendspieler?
Ihnen ist sehr wohl bewusst, dass das Leben dort ein komplett anderes ist. Die Türken in Deutschland unterscheiden sich schon sehr von denen in der Türkei. Dennoch kann die erste oder zweite türkische Liga für die Jungs ein wichtiger Karrieresprung sein und das wissen sie auch. Übrigens sind es nicht nur die türkischstämmigen Spieler, für die diese Kooperation interessant werden könnte. Es kann durchaus passieren, dass wir einen deutschen oder polnischen Spieler zu Galatasaray vermitteln. Die große Zahl an türkischstämmigen Spielern bei uns war ein wichtiges Argument für das Projekt, aber die Türen stehen für alle offen.

Kommen umgekehrt auch Spieler aus der Türkei nach Wattenscheid?
Das war zumindest der Plan. Uns wurden zwei Spieler versprochen, die der Verein loswerden will. Die sind allerdings noch immer nicht da. Langfristig wird der Austausch aber beidseitig stattfinden.