Warum Kasseler Fans ihre Fangesänge verkaufen

»Red Bull ist die Schmerzgrenze«

Hessen Kassel fehlen 400.000 Euro, sonst droht die Insolvenz. Die Fans von »Blog36« versuchen nun mit einer ungewöhnlichen Idee, den Klub zu retten.

Screenshot Youtube

Andre Schönewolf, wie viel kostet ein Fangesang bei Ihnen?

(lacht) Da haben wir noch keine preislichen Rahmenbedingungen geschaffen. Das überlassen wir auch lieber dem Verein. Da sitzen die Profis. Wir haben tatsächlich in den vergangenen Tagen ein paar Anfragen erhalten. Die Intention war aber nicht, dass sich jetzt Firmen bei uns persönlich melden und einzelne Songs buchen. 

Sondern?

Wir haben geliefert, jetzt müssen die Sponsoren liefern um den KSV Hessen Kassel zu retten. Wir sind gerne bereit, weiter zu gröhlen, aber die Firmen sollten dann auch als Sponsor beim KSV einsteigen.  Wenn sie das tun, liefern wir auch weiter ab.

Gibt es Unternehmen, die Sie aus Prinzip nicht besingen würden?

Bei Red Bull wäre unsere Schmerzgrenze wohl tatsächlich erreicht. Aber da sind wir in der glücklichen Lage, dass der Sitz von Red Bull nicht in Kassel ist. Wir haben aber keine festen Ausschlusskriterien definiert. Aber natürlich müssen Sponsoren und Verein auch zueinander passen. 



Warum sollten Unternehmen für einen eigenen Gesang Geld investieren?

Da geht es ja um mehr als einen Song. Keiner wird Sponsor, nur weil wir für ihn auf der Tribüne ein Lied schmettern. Unser Verein ist im Moment in einer ziemlich beschissenen Situation. Uns fehlen bis zum Saisonende noch 400 000 Euro, sonst droht die Insolvenz. Wir wollen in der Region Aufmerksamkeit für dieses Problem schaffen. Wir kommen nicht weiter, wenn wir auf unsere Plakate schreiben »Auf geht’s Kassel, kämpfen und siegen«, das ist ja total austauschbar.  Deswegen haben wir uns in einer feuchtfröhlichen Situation diesen Weg überlegt. 

Funktioniert er?

Bis jetzt sehr gut sogar: Fans von Union Berlin haben sich beim KSV gemeldet und in Form von einem Benefiz-Hopping Hilfe angeboten. Man kann im Online-Ticket Shop des KSV ein Soli-Ticket für unser letztes Heimspiel der Saison am kommenden Samstag erwerben. Die Anhänger von Holstein Kiel, mit denen wir ja eine Fanfreundschaft haben, haben bei einem Heimspiel für uns Spenden gesammelt. Das ist super. Allerdings erreichen wir mit kleinen Spenden nicht den Betrag von 400 000 Euro. Deswegen suchen wir eben neue Sponsoren – vor allem in der Region aber gerne auch darüber hinaus.