Warum fehlen Sie im Panini-Album, Lars Stindl?

Wie finden Sie es, dass Mertesacker eine öffentliche Diskussion zum Thema Druck im Fußball angeschoben hat?
Leider gibt es heute zu viel Schwarz und Weiß in der Berichterstattung. Wir versuchen alle, unsere beste Leistung zu zeigen. Und manchmal funktioniert es halt nicht. Auch in anderen Bereichen des Lebens gibt es solche Phasen, nur dass sie bei uns eben öffentlicher sind. Ich finde es gut, dass man darüber spricht, und ich finde es super, dass gerade jemand wie Per mit seinen Erfahrungen in den Nachwuchsbereich geht. Er kann die jungen Leute noch besser darauf vorbereiten, was auf sie zukommt.

Mertesacker war ein wesentlicher Bestandteil dieser Mannschaft...
... nicht nur dieser Mannschaft. Er hat eine Dekade, eine ganze Generation mitgeprägt. Er war eine prägende Erscheinung, und deswegen ist es gut, wenn jemand wie er offen über dieses Thema spricht.

Hat es Sie gewundert, dass Mertesacker mit der ständigen Angst zu versagen so lange so erfolgreich Fußball gespielt hat?
Nein, nicht verwundert. Ich habe Pers Leistungen immer bewundert. Und jetzt - mit diesem Hintergrund - sage ich erst recht: Chapeau. Glauben Sie es mir, es betrifft ganz bestimmt mehrere Spieler, deshalb ist es so wichtig.

Gucken Sie als Kapitän nun noch einmal anders durch die Kabine?
Grundsätzlich achtet man schon auf seine Mitspieler und versucht mitzubekommen, wenn einer mal in einem Tief steckt. Aber nicht nur auf ein Spiel bezogen, sondern auch über einen längeren Zeitraum. Es war jedenfalls noch nicht so, dass ich bei einem Mitspieler ganz speziell vorgefühlt habe.

Wie schaffen Sie es, sich dem Fußball auch mal zu entziehen?
Das war ein Prozess. Ich habe auch erst lernen müssen, im Privaten vom Fußball abzuschalten und das Thema nicht an mich ranzulassen. Durch die Geburt meiner Tochter vor knapp zwei Jahren habe ich noch mal einen anderen Blickwinkel bekommen. Es gibt Wichtigeres als Fußball. Gerade im Fall des Misserfolgs muss man das lernen. Zu Beginn meiner Karriere war es sehr schwierig, das nicht an mich heranzulassen, aber seit ein paar Jahren kann ich damit ganz gut umgehen.

Wie empfinden Sie die Aussage von Joachim Löw, die WM werde der Nationalmannschaft Unmenschliches abverlangen?
Ich glaube, der Bundestrainer meint damit, dass wir vor einer sehr schweren Aufgabe stehen. Alle schauen auf uns als Titelverteidiger, alle haben das Ziel, das zu verändern. Wir sind Weltmeister und Confed-Cup-Sieger, deswegen sind auch hierzulande die Erwartungen extrem hoch. Aber damit konnten wir immer umgehen.

Das gehört gewissermaßen zum Gen-Pool der Nationalmannschaft.
Aufgrund der Erfolge und der Geschichte wird das auch immer so sein. Egal, in welchem Alter man zur Nationalelf kommt.