Warum fahren Sie auf dem Longboard durch Dänemark, Ansgar Brinkmann?

»Beton verzeiht keine Fehler«

Mit einem Longboard ist Ansgar Brinkmann durch Dänemark gefahren - nach einem heftigen Sturz, mit T-Shirt im Regen und einer Dose Jack Daniels in der Hand. Ein Selbstfindungstrip?

Ansgar Brinkmann

Ansgar Brinkmann, bei Facebook kursiert derzeit ein Video, auf dem Sie mit dem Longboard durch Dänemark fahren. Es regnet, sie bluten an der Hüfte. Müssen wir uns Sorgen machen?
Warum das denn? Die ganze Sache hat keinen Hintergrund. Ich fahre gerne Longboard. Und jetzt bin ich halt durch Dänemark gefahren, weil ich dort Urlaub gemacht habe. Macht ja Sinn. Wenn ich schon mal da bin. (Lacht.)

Schade, wir hatten uns ausgemalt, dass Sie auf einer Art Selbstfindungstrip sind.
Quatsch, letztens bin ich mit drei Freunden durch Frankfurt gefahren. Wenn wir Bock auf irgendwas haben, dann machen wir das. Und hin und wieder nehmen wir uns eben mal auf Video auf. Natürlich präsentieren wir uns in dem Clip nicht gerade als Vorbild.

Wie meinen Sie das?
Wenn Kinder oder Jugendliche dieses Video sehen, ist es unstrittig, dass ich das in keinster Weise rechtfertigen kann. Es ist nicht gerade clever, auf öffentlichen Straßen Longboard zu fahren. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das nicht mehr vorkommt.

Auf dem Video haben Sie eine Schürfwunde an der Hüfte. Was ist passiert?
Kleinere Schrammen hat man öfters mal, aber da habe ich richtig Glück gehabt, dass ich mir keinen Knochen gebrochen habe. 15 Minuten vor der Fahrt, die man auf dem Video sieht, bin ich gestürzt. Das hätte auch anders ausgehen können. Normalerweise checke ich eine Strecke, bevor ich sie fahre. Das habe ich dieses Mal nicht gemacht. Es ging steil bergab, ich bin mit 48 Kilometer pro Stunde in ein Schlagloch gefahren und stumpf auf den Beton geknallt. Ich habe nur noch versucht, gut zu fallen, aber Beton verzeiht keine Fehler. Meine Schulter, meine Beine, mein Bauch - alles war am Arsch. Darf ich jetzt auch mal was fragen?

Klar.
Was soll dieses Interview? Ich raff es nicht.

Wir erkannten in ihrem stummen Auftritt im Video eine tiefere Botschaft. Etwa, dass man im Leben auch mal auf die Zähne beißen muss.
Achso, jetzt kommen wir der Sache näher. Totaler Quatsch! Ich brauche keinen Applaus mehr in meinem Leben. Davon habe ich genug gehabt. Ich stehe manchmal auch nachts um halb drei auf, weil ich nicht schlafen kann, setze mich in mein Auto, cruise durch die Stadt, höre Musik und trinke eine eiskalte Coke. Muss ja nicht immer Jack Daniels sein. Eine Stunde später bin ich dann wieder zu Hause und schlafe weiter. Als Fußballer hast du ja nicht den Ablauf, dass du täglich um 7 Uhr aufstehen und dann bis 18 Uhr arbeiten musst.  Oder ich fahre eben mit dem Longboard durch die Gegend. Das macht man halt mal.

Wir nicht.
Warum nicht? Was ist los mit euch in Berlin? Das macht doch Spaß.

Vielleicht sollten wir das wirklich mal ausprobieren.
Vielleicht seid ihr auch – seit ihr vier Jahre alt seid – in einer Schablone gefangen und zieht das jetzt durch bis zur Rente. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Irgendwas stimmt nicht mit euch. (Lacht.)

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Im Anschluss an dieses Interview hat Ansgar Brinkmann die Redaktion zu einer Longboard-Lehrstunde eingeladen. Wir haben dankend angenommen. Bilder diverser Knochenbrüche dann hier.