Warum ein Karlsruher in San Diego einen Fußballklub gründete

»Wir brauchen hier keine Fußball-Models«

Einst spielte Andreas Roell mit Oliver Kahn in der Jugend des KSC. Seit kurzem betreibt er in San Diego den Albion SC Pros. Aber braucht die Stadt überhaupt einen Fußballklub?

imago

Andreas Roell, Sie haben ihre Karriere als Fußballer in Karlsruhe als Mitspieler von Oliver Kahn und Jens Nowotny begonnen. Wie kommt es, dass Sie heute einen Fußballverein in San Diego führen?
Ich habe meine gesamte Jugendlaufbahn beim Karlsruher SC verbracht, dort aber erkannt, dass ich nicht so weit kommen werde wie meine damaligen Kollegen Oliver Kahn und Jens Nowotny. Die waren letztendlich doch besser als ich. (Lacht.) Das war einer der Gründe, warum ich mit 20 Jahren nach Amerika gegangen und habe in Las Vegas College Soccer gespielt. Zuerst wollte ich nur ein Jahr bleiben, letzten Endes lebe ich aber seit 1994 in den USA.

In den Staaten haben Sie sich nicht nur als Fußballer einen Namen gemacht.
Nach meiner College-Karriere habe ich mich während der ersten Internet-Start-Up-Phase auf verschiedene Arten unternehmerisch betätigt und bin etwas vom Fußball weggekommen.

Sie wollten aber immer wieder zurück in das aktive Fußballgeschäft?
Wenn man sich meinen Werdegang anschaut, auch meine berufliche Karriere, war Fußball immer der Ursprung für alle Möglichkeiten, die ich bekommen habe. Die Chance, nach Amerika zu gehen, ein neues Land kennenzulernen und mich als Ausländer schnell zu integrieren, hätte ich ohne den Fußball nicht bekommen. Und auch meine ersten Geschäftskontakte habe ich über den Sport bekommen.

Seit 1997 leben Sie in San Diego, sind aber erst seit kurzem beim Albion SC tätig. Wie kam es dazu?
Ein ehemaliger Mannschaftskollege von der Universität hat mich kontaktiert und mir von den Plänen hier beim SC erzählt. Albion ist bereits seit den achtziger Jahren eine etablierte Fußballakademie in Kalifornien und hat sich zu einer echten Marke hier entwickelt. Der Ballungsraum San Diego ist einer der größten Märkte für den Fußball in Amerika, mit der günstigen Lage direkt an der Grenze zu Mexiko, wo die Menschen noch fußballverrückter sind. Bisher hat es allerdings noch nicht funktioniert, in diesem Bereich einen Profifußballverein zu etablieren.

Warum?
Der Hauptgrund ist, dass bislang niemand, der in dieser Region Einfluss hat und etwas bewegen könnte, Interesse an Fußball hatte. Das hängt sicherlich damit zusammen, dass der Sport in den USA sehr finanziell und auf Profit ausgerichtet ist.

Wie stark orientiert sich der US-Fußball an Europa?
Ich denke, dass die meisten amerikanischen Akademien immer noch auf der Suche nach ihrem Weg sind. Die wenigsten schauen nach Deutschland oder England und kopieren die dortigen Vorgehensweisen.

Aber wäre das nicht gerade im Jugendbereich eine gute Idee?
Dass sich Jugendmannschaften zu Profiteams weiterentwickeln, ist in Deutschland die Normalität, hier allerdings nicht. Wenn man sich zum Beispiel das Projekt von David Beckham in Miami anschaut: Um in der MLS spielen zu dürfen, braucht seine Mannschaft Geldgeber für 30 Millionen Dollar und ein Stadion. Diese Bedingungen will man erfüllen - und dann hofft man in Miami, dass sich daraus was entwickelt.

Das falsche Modell?
Wir versuchen es anders zu machen. Durch eine systematische Jugendarbeit wollen wir die Profimannschaft selber ausbilden und so von unten herauf etwas aufbauen. Da man in den USA aber sportlich nicht aufsteigen kann, müssen auch wir finanzielle Bedingungen erfüllen. Das ist eine kostspielige Sache, einen Verein wie Darmstadt 98, der in die Bundesliga aufsteigt, würde es in der MLS nicht geben.

Ihre erste Mannschaft spielt im Moment in der vierten Liga in den USA. Das Niveau dürfte nicht allzu hoch sein, oder?
Ich würde schon sagen, dass unser Profiteam mit einem deutschen Viertligisten mithalten könnte. Aber auf den ersten Blick würde wohl jeder deutsche Zuschauer etwas überrascht sein von der Spielweise, weil sie sich doch sehr von der europäischen unterscheidet.

Wo sehen Sie die entscheidenden Unterschiede?
Technisch gesehen spielen die Amerikaner einen hervorragenden Fußball, das habe ich schon 1994 gemerkt, als ich hierher gekommen bin. Woran es damals gefehlt hat, war das Coaching. Es ging eigentlich nur um die Athletik – wer nicht jedem Ball hinterher gesprintet ist, hat Ärger bekommen. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich das schon verbessert, vor allem durch das Personal. Viele europäische Trainer sind in die USA gekommen und haben auch taktisch ein höheres Niveau eingeführt. Das größte Problem sind aber sowieso die Schiedsrichter.