Warum dieser Mann nur zum Amateurfußball geht

»Profifußball berührt mich nicht«

Waren Sie schon mal bei einem Bundesligaspiel?
Ja, 1999 habe ich mein erstes und einziges Bundesligaspiel gesehen, und das war auch mehr dem Zufall geschuldet. Ich war damals mit den Sportfreunden Dorfmerkingen bei einem Testspiel auswärts gegen die Amateure des 1. FC Nürnberg. Nach dem Spiel haben wir Freikarten für das Bundesligaspiel des 1. FC Nürnberg gegen Werder Bremen bekommen. Am meisten beeindruckt war ich von den Clubfans, die mich fast schon missionarisch zum Nürnberg-Fan machen wollten.

Warum sind Sie trotzdem nicht geblieben?
Das Spiel selbst hat mich nicht gekickt. Ich habe es mir zwar mit Interesse angesehen, aber es hatte keine nachhaltige Wirkung, weil mich Profifußball nicht berührt. Worauf ich auch gar nicht klarkomme, ist Bier aus Plastikbechern trinken zu müssen. Das ist bei den Amateuren eine Kultursünde.

Warum ist es bei den Amateuren schöner als bei den Profis?
Was schöner ist, liegt ja immer im Auge des Betrachters. Ich kann auch Fans verstehen, für die es das Höchste ist, wenn in einem Stadion 60.000 Zuschauer nach einem Tor kollektiv ausrasten. Für mich ist es bei den Amateuren schöner, weil man auch den Kontakt zu den Spielern oder Trainern hat. Man geht nach dem Spiel noch etwas trinken, analysiert die Spiele und diskutiert darüber. Das alles ist im Profibereich ja gar nicht möglich. Im bezahlten Fußball hat man es eher mit Zweckgemeinschaften zu tun, wo jeder Spieler zuerst an sich und seine Eitelkeiten denkt. Da hat der Fußballprofi zu funktionieren, weil er Angestellter eines Wirtschaftsunternehmens ist. Auch bei den Amateuren geht es natürlich um Geld und darum, den Laden am Laufen zu halten. Aber der Profifußball ist reiner Kommerz und die Geldspirale geht immer weiter nach oben. Von der Basis, also den Fans, hat man sich dort doch schon lange verabschiedet. Ich bin weit davon entfernt, das alles zu verteufeln. Angebot und Nachfrage regulieren eben den Markt. Und wenn die Fans von Bundesligavereinen bereit sind, diese Entwicklung weiter mitzumachen, dann sollen sie es auch tun.

Wie sehr leidet der Amateurfußball unter den über das ganze Wochenende verteilten und gestückelten Anstoßzeiten im Profibereich?
Diese Anstoßzeiten sind natürlich alles andere als gut. Besonders bedenklich ist es aber, wenn Kreisklassenspieler ihr eigenes Spiel sausen lassen und zum VfB Stuttgart fahren, weil sie lieber das Bundesligaspiel sehen wollen. Das kommt leider nicht selten vor. Ganz schlimm finde ich, dass Kinder immer weniger Fußball spielen. Früher haben wir schon vor der Schule damit angefangen, und wenn kein Fußball da war, dann haben wir mit Blechbüchsen oder Tennisbällen gekickt. Das sieht man gar nicht mehr, weil die Kids Fußball eher auf dem Smartphone spielen. Einige Vereine in der Kreisklasse bekommen kaum noch den Kader gefüllt und ich vermute, dass es in Zukunft vermehrt zu Spielgemeinschaften kommen wird, in denen sich mehrere Clubs zusammentun müssen, um ein Team auf den Platz zu bekommen.

Was machen Sie eigentlich, wenn Sie nicht auf dem Fußballplatz sind?
Oft sitze ich im Vereinsheim oder gehe meinem zweiten Hobby nach. Ich bin Eisenbahnfan und fahre gerne neue Strecken ab.