Warum dieser Mann nur zum Amateurfußball geht

»Meine Kirche ist der Fußballplatz«

Mehr als 3.000 Fußballspiele in 30 Jahren. Der 52-jährige Diplom-Finanzwirt Claus Breitenberger schaut ausschließlich Amateurfußball. Warum macht er das?

Jani Marco Pless

Claus Breitenberger, Sie sind seit über 30 Jahren fast ausschließlich auf den Fußballplätzen der Amateurligen in Baden-Württemberg unterwegs. Wie entstand Ihre Leidenschaft für die unteren Spielklassen?
Das fing in den frühen Achtzigerjahren an. Obwohl ich gerne Fußball gespielt habe, mangelte es mir für einen Verein an Talent. So habe ich angefangen, die Spiele meiner Freunde zu besuchen und ihnen beim Spielen zugesehen. Weil die für verschiedene Vereine aufliefen und auch mal zu anderen Clubs wechselten, kamen immer mehr Menschen und Mannschaften zusammen, die ich kennenlernte. Irgendwann bin ich dann an Wochenenden nur noch auf den Plätzen der Ostalb und später im ganz Bundesland unterwegs gewesen. Ich besuche an den Wochenenden also meine Freunde und Bekannten und tue dabei das, was ich am liebsten mache: Fußball gucken.

Ein großer Bekanntenkreis hat somit auch viele Spiele zur Folge. Wie viele Begegnungen sehen Sie im Jahr?
Ich bin jetzt kein Statistiker, der die Anzahl der Spiele zählt, die er gesehen hat. Ich bin auch kein Groundhopper, dem es nur darum geht, möglichst viele Stadien besichtigt zu haben. Dann wäre ich mit dem Hoppen ja auch schon fast durch, weil ich die meisten Fußballplätze hier im Landkreis bereits kenne. Was die Spiele angeht, sehe ich um die 120 bis 130 Spiele im Jahr. Insgesamt bekomme ich das natürlich nicht mehr genau zusammen, aber es sind wohl zwischen 3.000 und 4.000 Partien gewesen.

Das klingt nach einem klassischen Singleleben …
Das ist auch so, denn es ist schwierig eine Partnerin zu finden, die es mitmacht, wenn der Mann alles dem Fußball unterordnet. Ich bin also mit dem Fußball verheiratet und meine Kirche ist der Fußballplatz.

Haben Sie einen Lieblingsverein, von dem Sie Fan sind?
Ich bin sehr viel mit dem 1. FC Normannia Gmünd unterwegs, wo ich auch beim Stadionblatt mitarbeite und für die Gegnervorstellungen zuständig bin. Nach dem überraschenden Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg hatten wir am ersten Spieltag gleich ein schönes Derby gegen den SV Göppingen, zu dem 800 Zuschauer kamen - ging leider 0-1 aus. Aber einen Lieblingsverein habe ich nicht. Ich bin Fußballfan und nicht Fan eines Vereins. Ich sympathisiere mit allen Mannschaften der Ostalb.