Warum der Neymar-Deal Weltpolitik ist

»Die EU muss intervenieren«

Wer denn?
Die anderen französischen Vereine zum Beispiel. Neymar wertet die französische Liga extrem auf, Al-Jazeera hat sich die Fernsehrechte an der Ligue 1 gesichert und überträgt in die Golf-Staaten. Über die Fernsehgelder sickert das Geld nach unten, zu den kleineren Vereinen. Trickle-down-Effekt nennt das der Ökonom.

Fußball ist in Ihrer Lesart Politik. Stehen wir am Start einer Entwicklung?
Wer meine Twitter-Timeline kennt, weiß: Ich prophezeie seit Jahren eine sportpolitische Machtverlagerung Richtung Osten. Es gibt signifikante Ähnlichkeiten zwischen dem, was die chinesischen Investoren betreiben und dem, was die Kataris machen.

Können Sie Beispiele für politische Einflussnahme nennen?
Ich will die staatlichen Airlines nennen. Emirates sponsort Real Madrid, Paris Saint Germain, Arsenal London, den Hamburger SV. Etihad Airlines steht auf dem Trikot von Manchester City. Qatar Airways war bei Barcelona unter Vertrag, jetzt sind sie offizieller Sponsor der FIFA. Alle diese Airlines gehören Staaten, die sind nicht privat.

Was bedeutet das?
Asiatische Regierungen kaufen sich massiv in den europäischen Fußball ein, auf allen Ebenen. Ja, sie interessieren sich für den Sport und den ökonomischen Effekt, aber nur am Rande. Noch mehr sind sie an den Werten des Fußballs interessiert, an den starken Marken. Soft Power, ich sagte es bereits.

Gilt das auch für China?
Mit anderem Fokus, ja. Das beste Beispiel ist der Cup of Nations in Angola 2011. Vier Stadien mussten gebaut werden, die kosteten 500 Millionen Euro im Bau. Die Chinesen machten das umsonst für Angola. Der Grund: Angola sitzt auf großen Ölreserven. Kurz nach dem Cup wurden die Chinesen der größte Kunde bei den angolanischen Ölkonzernen. Das ist Weltpolitik - auf dem Rücken des Sports.

Was schlagen Sie vor?
Als allererstes: Wir sollten uns dieses Wandels bewusst werden. Die EU begreift Fußball noch immer als soziokulturelles Phänomen. Das ist zum Totlachen. Wenn wir anfangen, darüber zu reden, dass Fußball ein geopolitisches Machtinstrument geworden ist, können wir über weitere Schritte nachdenken. Momentan betreiben wir Laissez-faire.

Was könnten weitere Schritte sein?
Ich finde, die EU muss intervenieren. Wir brauchen Regulierungen für den Markt. Ein starkes Europa sollte sich gegen die Eroberung des Fußballs durch östliche Regierungen wehren. Wir verlieren diesen Kampf sonst, ohne einzugreifen.

In Deutschland haben wir noch immer die 50+1-Regelung.
Wer weiß wie lange noch.