Warum Collin Benjamin in Namibia eine Jugendliga gründete

»Davon soll das ganze Land profitieren«

Collin Benjamin spielte einst in der Bundesliga. Nach der Karriere kehrte er in seine Heimat Namibia zurück. Dort hat der Ex-Profi nun eine Jugendliga ins Leben gerufen. Aus einem einfachen Grund.

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Herr Benjamin, Sie haben in Ihrem Heimatland Namibia eine Jugendliga gegründet. Warum?

Fußball ist hier Volkssport. Doch im Jugendbereich haben wir die letzten Jahre geschlafen. Wir wollen mit der Liga den Kids eine Möglichkeit bieten, strukturiert und regelmäßig Fußball zu spielen. Als ich noch Jugendspieler war habe ich höchstens sieben Spiele im Jahr gemacht. Das darf nicht sein. Wir kümmern uns nun um den Transport, die Organisation und statten die Mannschaften mit Trikots aus. Davon soll das ganze Land profitieren.

Hat der Verband denn zuvor nie etwas unternommen?

Nein, der Verband hat kaum etwas für den Jugendfußball getan. Es gibt zwei Jugendturniere im Jahr. Das war es. Aber sowas hat Folgen. Es geht doch nicht, dass der Nationaltrainer seinen Spielern die Basistechniken beibringen muss. Derzeit stecken wir jedoch in guten Gesprächen mit der NFA (Anm. d. Red.: Namibian Football Association).

Wie war die Lage zu Ihrer Jugendzeit?

Als ich in der Hauptstadt Windhoek gespielt habe, gab es dort nur vier Klubs. Da hat die Breite gefehlt. Außerdem konnte nicht jeder die Gebühren zahlen, um in den Vereinen zu spielen. Mithilfe eines Sponsors haben wir ein neues Konzept entwickelt: Zehn Mannschaften spielen in einer Liga, in allen Altersstufen. Zunächst sind wir nur in Windhoek, aber wir wollen wachsen.

Woher kommen die neuen Klubs?

Neben den klassischen Vereinen gibt es mehrere Schulmannschaften. Die Schulen kommen aus den Stadtteilen Katutura oder Khomasdal. Die schwarze Bevölkerung ist stark in Katutura vertreten und in Khomasdal leben vor allem Coloureds. Doch egal welchen Hintergrund die Kinder haben am Wochenende spielen sie alle Fußball. Dabei kommen viele aus den Slums und sind einfach froh auf einem Rasenplatz spielen zu dürfen. Das sind häufig Jungs mit wahnsinnig viel Talent. Da denkst du dir: »Meine Fresse, wo hat der diesen linken Fuß her?«.

Sind die Barrieren zwischen den Hautfarben noch groß?

Damals, als ich noch gespielt habe, hatten wir in der Nationalmannschaft die Risser-Brüder, zwei weiße Jungs. Die Beiden waren ein fester Teil des Teams. Die Hautfarbe war egal. Wenn du dir heute die Rugby-Teams anschaust, ist die Hälfte der Spieler schwarz. Früher war das anders. Da hieß es: »Du darfst nur das machen und dich nur dort aufhalten«.