Warum boykottiert St.Pauli RB Leipzig nicht?

»Viel verboten, wenig erlaubt«

Was halten die St.-Pauli-Fans von der Kampagne nein-zu-rb.de?
Hier wird das nicht unterstützt, eher ein wenig kritisch beäugt. Man muss schauen, wo die Vereine der an der Kampagne beteiligten Fanklubs ihr Geld herbekommen. Wenn die Fans von Ingolstadt beim Gastspiel auf St. Pauli das Anti-RB-Protestbanner hochhalten, mutet das schon seltsam an, da Ingolstadt auch ganz schön am Tropf seines Hauptsponsors Audi hängt. Wo ist da die Grenze? Wo fängt Kommerz an, wo hört er auf? Das wird hier in der Pauli-Fanszene sehr heterogen betrachtet. Einige sagen, dass es RB nur auf die Spitze treibt und konsequent weiterdenkt, wie alle anderen Vereine im Kapitalismus auch funktionieren. Andere lehnen RB vor allem auch wegen der Tauschgeschäfte zwischen Leipzig und Salzburg konsequent ab.

Wie wird denn der Protest der St.-Pauli-Fans in Leipzig aussehen?
Ultrà St. Pauli (USP) haben eine Mottofahrt organisiert: Jeder Fan soll sein ältestes Trikot von St. Pauli anziehen, um die Geschichte und Tradition zu dokumentieren, die dieser Klub mit seinen Fans hat. Ich bin gespannt, wie das bei dem Wetter umgesetzt wird.

Wird es Spruchbänder oder Choreografien geben, die sich mit RB Leipzig beschäftigen?
Nein, angemeldet sind nur die normalen Fanutensilien, die in Leipzig nur sehr begrenzt genehmigt werden. Da wird viel verboten, wenig erlaubt. Nicht nur Protest gegen RB wird verboten, auch große Fahnen etc. Es gibt da sehr rigide Vorschriften. Deswegen wird es auch keine Choreografie der St.-Pauli-Fans geben, das wäre viel zu umständlich gewesen.

Sind die scharfen Einlasskontrollen in Leipzig das bestimmende Thema bei den St. Pauli-Fans?
Das ist sicher das größte Thema. Unsere Fans fragen sich: Muss ich mein T-Shirt ausziehen, wenn sich die Aufschriften gegen RB, DFL, DFB oder Polizei richten? Das ist in Leipzig alles verboten. Das handhaben wir bei St. Pauli ganz anders. Hier steht die freie Meinungsäußerung – natürlich im Rahmen der Stadionordnung – über allem. Der Leipziger Ordnungsdienst hat da nicht den besten Ruf. Wir schauen auch genau hin, wer da so am Gästeeingang steht und wie kontrolliert wird. Ich habe auch schon bei der Sicherheitsbesprechung ganz klar gesagt, dass wir bezüglich der Einlasskontrollen Konfliktpotenzial sehen, auch um den Leipziger Ordnungsdienst zu sensibilisieren, dass es zu keinen negativen Vorfällen kommt.

Was wünschen Sie sich für die Auswärtsfahrt nach Leipzig?
Zunächst hoffen wir natürlich auf einen Sieg, da wir aus dem Tabellenkeller rauskommen müssen. Und dann hoffen wir, dass wir Fans einen Teil dazu beitragen und einen geschlossenen, guten Auftritt hinlegen, der die Mannschaft nach vorn bringt. Es gibt auch große St.-Pauli-Fanklubs in Leipzig und Dresden. Dazu haben wir Kontakte zum Roten Stern Leipzig. Uns werden auch viele Fans aus der Region unterstützen.