Warum Bonn zwar Hauptstadt, aber nie Bundesligist war

»Wurde versucht die kubanische Nationalelf zu holen«

Auch nach dem Lizenzentzug schrieb der Bonner SC noch negative Schlagzeilen. In der Saison 1999/00 wurden 15 kubanische Nationalspieler verpflichtet. Was hatte es mit dieser Geschichte auf sich? 
Es ist damals so gewesen, dass unser Mäzen Kontakte nach Kuba hatte und versuchte die gesamte kubanische Nationalmannschaft nach Bonn zu holen. Doch nach ihrer Ankunft, hat es im Nachgang Probleme mit dem Visa gegeben. Von den 15 Spielern waren am Ende nur noch zwei übrig. Die ganze Geschichte war wenig ertragreich. Aber die Presse hat sich natürlich darauf gestürzt. Über die ganzen Dinge aus früheren Zeiten kann man heute nur noch schmunzeln. 

Nach der Insolvenz sollten 2010 mit Karsten Hutwelker und Mike Rietpietsch zwei Ex-Profis im Trainerstab beim Wiederaufbau helfen. Wie ging es mit der ersten Mannschaft nach der Insolvenz weiter?  
Die beiden sind nicht lange in Bonn geblieben. Durch die Insolvenz hatten wir auf der Mitarbeiterebene eine hohe Fluktuation. Man wusste nicht genau, ob es möglich ist den Spielbetrieb aufrecht zu halten. Das Insolvenzverfahren wurde nicht rechtzeitig eröffnet, daher wurden wir nach einem Jahr ohne Spielbetrieb in die siebte Liga durchgereicht. Der Trainer der U19 hat dann in Personalunion unsere erste Mannschaft in der Landesliga trainiert. Von da an ging es kontinuierlich aufwärts. Während früher viel auf Ex-Profis gesetzt wurde, gehen wir heute einen Weg mit jungen Spielern aus der Region. Wir sind jetzt immerhin wieder in die vierte Liga aufgestiegen. 

Auch Jürgen Kohler war 2012 als A-Jugendtrainer beim Bonner SC tätig. Warum wurde auch daraus kein langfristiges Arrangement?
Das hatte persönliche Gründe. Bei der U19 haben wir einen Trainer gesucht und sind auf Kohler aufmerksam geworden, da er in der Umgebung wohnte. Das ganze hat sich dann aber relativ schnell zerschlagen, weil er im TV-Bereich und als Repräsentant eines Unternehmens eingespannt war. Das alles ließ sich nicht mit Trainertätigkeit bei uns vereinbaren. 

Als Regionalliga-Aufsteiger belegt der Bonner SC einen respektablen zehnten Platz. Ist es realistisch mittel- bis langfristig wieder höherklassig zu spielen? 

Wir wollen uns zunächst in der Regionalliga etablieren und dann den Sprung nach oben schaffen. Vor der Saison haben wir mit Dario Schumacher oder Connor Krempicki Spieler bekommen, die sich als Glücksfälle herausstellten. Auch das Trainerteam und die sportliche Leitung sind gut aufgestellt. Wir wollen zeigen, dass wir seriös arbeiten und mittelfristig zumindest drittklassiger Fußball in Bonn umsetzbar ist. Die Stadt ist jung und hat Potential, auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Wir haben einen Etat im höheren sechsstelligen Bereich. Doch wenn ich mir die Möglichkeiten von Mannschaften wie Alemannia Aachen oder Viktoria Köln ansehe, ist das eine andere Kategorie. Einige Regionalliga-Mannschaften arbeiten unter Profibedingungen. Dagegen sind wir was das Budget angeht ein ganz kleines Licht. Wir trainieren nur vier bis fünf Mal pro Woche. 

Welche Schwierigkeiten bringt eine solche unausgeglichene Liga mit sich? 
Da kann ich ein aktuelles Beispiel nennen. Unser erstes Rückrundenspiel beim Reserveteam des 1. FC Köln findet montags um 14 Uhr statt. Das heißt, dass unser Trainer und unsere Spieler hierfür extra Urlaub einreichen müssen, damit sie auflaufen können.  Solche Probleme hat unser Gegner aus Köln sicher nicht. Auf Dauer kann es nicht gesund sein, dass in der vierten Liga schon mit Profis agiert wird. Dadurch wird die Lücke zwischen den Vereinen zu groß. Langfristig wird vielen Traditionsklubs ein Grab geschaufelt. Dazu muss sich der DFB ernsthaft Gedanken machen. Als kleiner Verein hat man allerdings keine Lobby.