Waren Sie früher ein Rüpel, Martin Schulz?

»Was andere darüber denken, ist mir egal«

Herr Eckel, war Ihnen in dem Moment bewusst, was für eine Außenwirkung dieses Spiel haben könnte?
Eckel: Nein, überhaupt nicht. Wir waren komplett überrascht von dem, was in Deutschland los war, als wir wieder zurück kamen.

In Ihrem Heimatdorf wurden Sie von 20.000 Menschen empfangen.
Eckel: Das war unvorstellbar. Solche großen Veranstaltungen waren zu der Zeit alles andere als normal.

Sie spielten damals für Kaiserslautern und wurden zweimal Meister. Erinnern Sie sich, was Sie als Vertragsspieler verdient haben?

Eckel: Nicht viel, ich glaube es waren 320 Mark im Monat. Aber das Geld war mir auch egal. Ich wollte einfach spielen.

Heute verdienen Fußballer teilweise zweistellige Millionenbeträge. Sprengt das den Rahmen?
Schulz: Ich glaube schon, dass die Summen, die heutzutage bezahlt werden, für viele Menschen nicht mehr vorstellbar sind. Ich kenne eine Reihe von Spielern, die 1966 mit Alemannia Aachen in die Bundesliga aufgestiegen sind. Die bekamen zwischen 1500 und 2500 Mark.
Eckel: Was viel Geld war. Für 2500 Euro zieht sich heute kein Spieler mehr die Schuhe an.
Schulz: Wenn ein einzelner Spieler 60 oder 70 Millionen Euro kosten soll, macht mich das stutzig. Wie jeden anderen vermutlich auch.
Eckel: Zu meiner aktiven Zeit haben wir gar nicht darüber nachgedacht, dass man mit Fußball so viel Geld würde verdienen könnte. Ich bin zu den Heimspielen in Kaiserslautern noch mit dem Fahrrad gefahren. Wir haben einfach gespielt, weil wir Lust darauf hatten, das Geld war nur Bonus. 

Großes Thema im bisherigen Wahlkampf sind die hohen Managergehälter. Sollte der Staat auch Spielergehälter drosseln?
Schulz: Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Die rechtlichen Vorraussetzungen der Vertragsverhältnisse von Fußballspielern haben nichts mit denen der Manager in Großunternehmen zu tun. Das kann man nicht auf Fußballer übertragen.

Heutzutage inszenieren sich Politiker gerne als Fußballfans und geben sich volksnah. Sie haben einen echten Fußball-Background. Nehmen die Kollegen Ihnen ihr bestes PR-Tool weg?

Schulz: Kein Wähler wird am Ende wegen der Präsenz eines Politikers im Fußballstadion entscheiden. Frau Merkel oder Herr Schulz werden keine Wahl gewinnen, nur weil sie auf der Tribüne jubeln.

Warum zeigen sich Politiker dann so gerne auf der Fußballbühne?
Schulz: Wissen Sie: Ich bin Fußballfan, seit ich denken kann. Ich gehe zum Fußball, wenn ich dazu Lust habe. Was andere Leute darüber denken, ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal.