Waren Sie früher ein Rüpel, Martin Schulz?

»Fußballspielen kannst du vergessen«


Haben Spaß: Horst Eckel und Martin Schulz.               Foto: Richard Pflaume

So wie Sie.
Schulz: Bei mir war es das linke Knie, ein Meniskus und beide Kreuzbänder waren gerissen. Das ist 40 Jahre her und heute würde man das sicher anders behandeln, aber ich bin damals einfach sechs Wochen mit einem Gips rumgelaufen.

Sie mussten ihre Karriere beenden. Wie haben Sie das erfahren?
Schulz: Mit 18 bekam ich einen Einberufungsbescheid von der Bundeswehr, wurde zunächst als voll tauglich eingestuft und schließlich eingezogen. In der Zwischenzeit hatte ich mich aber am Knie verletzt, also wurde ich nachgemustert. Der Bundeswehrarzt schaute mich an und sagte: »Junge, du wirst von der Bundeswehr nichts mehr hören. Und Fußballspielen kannst du auch vergessen. Das geht nicht mehr.«



Haben Sie auf den Arzt gehört?
Schulz: Als mein Knie irgendwann verheilt war - ich war kein Jugendspieler mehr, sondern bei den Senioren - habe ich es natürlich gleich wieder versucht. In meinem ersten Training riss mir prompt der andere Meniskus im linken Knie. Vollkommen unnötig.
Eckel: Aber so ist man als Fußballer. Ich hatte eigentlich alle Verletzungen, die es damals gab. Angefangen beim Zeh, hoch bis zum Kopf, alles einmal durch. Aber ich habe immer weitergemacht.

Herr Schulz, haben Sie daran geglaubt, Profi zu werden?

Schulz: Wir kamen immerhin als Vizemeister in die A-Jugend und hatten alle die Hoffnung, irgendwo als Profi zu landen. Ich wollte unbedingt zum Probetraining nach Köln. In der A-Jugend waren wir nicht mehr ganz so erfolgreich, trotzdem habe ich weiter daran geglaubt. Und erzählen Sie mal einem 17-Jährigen, dass seine Träume unrealistisch sind. Heute weiß ich, dass das Illusion war.
Eckel: Heute ist der Weg ein anderer. Wenn man als Junge Talent hat, landet man schnell bei einem großen Klub in der Jugendabteilung. Ich habe damals in meinem Heimatdorf als 15-Jähriger in der ersten Mannschaft in der C-Klasse gespielt. Das hatte nicht viel mit Leistungssport zu tun. Aber ich hatte Glück, dass ich den Leuten in Kaiserslautern aufgefallen bin.

Horst Eckel, Sie spielten lange für Kaiserslautern. Martin Schulz ist allerdings Fan vom 1. FC Köln. Warum?
Schulz: Als die Bundesliga gegründet wurde, war ich acht Jahre alt. Der erste Meister war der 1.FC Köln.

Ein Erfolgsfan?
Schulz: Nein, aber der FC Köln war in Nordrhein-Westfalen die klare Nummer Eins und galt als modernster Verein im Land. Aber ich verrate Ihnen ein Geheimnis. Mein zweiter Lieblingsklub war Kaiserslautern.
Eckel: Und mit wem hielten Sie es, wenn wir gegeneinander spielten?
Schulz: Dann habe ich auf ein Unentschieden gehofft.

Wer war damals ihr Idol?
Schulz: Wolfgang Weber. Toller Abwehrspieler. Hat das 2:2 in Wembley geschossen.

Ein Abwehrspieler als Idol. Was sagt das über Sie aus?
Schulz: Tja. Ich war ja damals linker Verteidiger. Und das bin ich im übertragenen Sinne bis heute geblieben. Wobei, mittlerweile bin ich linker Angreifer (lacht).

Spielen Sie noch manchmal Fußball?
Schulz: Nein, schon lange nicht mehr. Ich bin nur noch ab und an bei meiner Rhenania zuschauen. Allerdings lässt das die Zeit kaum zu und mittlerweile spielt der Verein leider in der Kreisliga A. 

Gibt es aktuell Spieler, die Ihnen imponieren?

Schulz: Jonas Hector. Ein toller Junge und ein sehr disziplinierter Fußballer. Außerdem spielt er in Köln. Dann gibt es noch Neven Subotic, den habe ich noch als Präsident im Europaparlament kennengelernt. Wir haben zwei sehr lange Gespräche geführt, ein wirklich engagierter und reflektierter Mann. Er setzt sich mit viel Geld und Herzblut für Entwicklungsprojekte in Afrika ein.