Vor dem Hertha-Spiel: Fürths Mike Büskens im Interview

»Ich würde mich nie anpassen«

Mike Büskens ist mit Greuther Fürth auf Aufstiegskurs, heute steigt das Spitzenspiel gegen Hertha. Wir sprachen mit ihm über acht Millionen Euro, den Bundy-Fluch und die Nachfolge von Felix Magath. Vor dem Hertha-Spiel: Fürths Mike Büskens im Interview

Mike Büskens, kennen Sie Al Bundy?

Mike Büskens: Ja, wieso?

Als Hauptperson in der Fernsehserie »Eine schrecklich nette Familie« sieht es in den meisten Folgen so aus, als wenn er obenauf wäre. Dann verliert er immer alles. Greuther Fürth hat doch auch etwas wie den Bundy-Fluch.

Mike Büskens: Ich kann nicht verstehen, warum viele die fünften Plätze als Makel sehen. Der Verein wirtschaftet seit Jahrzehnten solide, ist schuldenfrei. Diese Philosophie nötigt Respekt ab, da ist das Erreichte in der Vergangenheit als Erfolg zu sehen. Was wäre in diesem Jahr der grausamste Fall? Der fünfte Platz, aber auch das wäre unter diesen Bedingungen ein Erfolg. Was der beste? Der Aufstieg - damit würden wir in die Vereinsgeschichte eingehen. Wir haben also nichts zu verlieren.

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Heute geht es gegen Hertha. Wenn Fürth nichts zu verlieren hat, dann Hertha sehr viel. Genießen Sie es, dass Hertha den größeren Druck hat?

Mike Büskens: Klar haben sie den Druck, sie stehen in der Pflicht. Bei einem zweiten Jahr in der zweiten Liga müssten sicherlich erhebliche Abstriche gemacht werden. Hertha hat jetzt mal eben acht Millionen bekommen, davon könnten wir ein ganzes Jahr unsere Kosten decken. Nur: Diesen Druck, aufsteigen zu müssen, hatten sie von Beginn an und haben bewiesen, wie gut sie damit umgehen können

Herthas Trainer Markus Babbel hat großen Respekt vor dem schnellen Umschalten Ihres Teams. Was fürchten Sie bei der Hertha?

Mike Büskens: Hertha hat selbst gezeigt, wie gut sie beim Umschalten sind. Das ist ein Team von individueller Klasse, in dem Einzelne ein Spiel entscheiden können. Das ist ein Duell David gegen Goliath, Hertha ist der absolute Branchenprimus. Wir brauchen einen sehr guten Tag, um sie zu schlagen. Aber: Wir werden mit Sicherheit nicht abwartend spielen oder auf Sicherheit.

Das Schicksal ist bei dem derzeitigen Verletzungspech nicht unbedingt auf ihrer Seite. Gegen Hertha müssen sie auf acht wichtige Spieler verzichten.

Mike Büskens: Wir haben ein Verletzungspech wie keine andere Mannschaft der Liga. Doch Lamentieren nützt nichts, wir sind in der Breite gut aufgestellt. Wir müssen die Situation so annehmen wie sie ist und dürfen uns nicht dahinter verstecken.

Viele ordnen Sie in die Riege der modernen Trainer wie Klopp und Tuchel, die ein enges Verhältnis zu den Spielern haben.

Mike Büskens: Man wird immer in Kategorien eingeteilt. Wichtig ist nur, dass man in seinem Job authentisch bleibt - ob man jetzt Redakteur bei 11FREUNDE ist oder Fußballtrainer. Ich würde mich nie anpassen, nur weil eine Richtung jetzt gerade hipp ist.

Sie sind einmal über den Platz gerannt zur Jubeltraube Ihrer Spieler. 11FREUNDE-Autor Benjamin Kuhlhoff schrieb damals, man müsse Ihnen ein Denkmal bauen mit der Aufschrift »Fuck the system«.

Mike Büskens: Ich habe noch kein Denkmal gesehen. Ich bin nun einmal jemand, der dieses Spiel liebt. Ich finde sämtliche Restriktionen wie Strafen nach einem Trikot-Jubel oder dergleichen sinnlos, weil man damit dem Fußball viel von seiner Emotionalität raubt. Von mir aus kann die Zeit nachgespielt werden, aber diese momentanen engen Regeln schaden dem Fußball doch nur.

Auf Schalke werden Sie wegen Ihrer Art geliebt und sind als Magath-Nachfolger im Gespräch.

Mike Büskens: Es zeugt von Respekt für die Arbeit, die mein Trainerteam und ich geleistet haben. Ich habe jahrelang für Schalke gearbeitet, da ist es klar, dass ich in diesen Topf geschmissen werde. Aber ich werde mich hier nicht zu diesen Spekulationen äußern, wichtig ist für mich nur das Spiel gegen Hertha.

Aber Ihr Vertrag in Fürth läuft zum Saisonende aus.

Mike Büskens: Da wird es schon noch zeitnah eine Entscheidung geben. Ich bin ein Familienmensch, meine Familie wohnt momentan im Ruhrgebiet, ich bin in Fürth - da muss ich mir Gedanken machen. Aber es weiß auch jeder, wie wichtig mir das Ganze hier in Fürth ist. So oder so bin ich hier voll und ganz in die Personalplanungen für die nächste Saison eingebunden.

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