Berliner verabschieden sich von Torsten Mattuschka

»Tusche war dieser Verein«

Nach neun Jahren verlässt Torsten Mattuschka den 1. FC Union Berlin und wechselt zu Energie Cottbus. Vier Weggefährten erzählen von ihren Erlebnissen mit »Tusche«.

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Björn Brunnemann 

Björn Brunnemann steht aktuell beim BFC Dynamo unter Vertrag. Im Alter von 13 Jahren spielte er zusammen mit Mattuschka in der Landesauswahl. Später haben die beiden gemeinsam bei Energie Cottbus und Union gekickt. Bis heute sind sie enge Freunde geblieben.
 
»Wie Union mit Torsten Mattuschka in den vergangenen Tagen umging, ist ziemlich unwürdig. Letzte Saison war er noch der Topscorer der Zweiten Liga, und auf einmal soll er der Mannschaft sportlich nicht mehr weiterhelfen können? Was haben sich die Verantwortlichen dabei gedacht?
 
Als Mattuschka zu Union kam, spielte der Verein noch in der Oberliga. Seitdem hat er jeden Aufstieg miterlebt und jeden Trainer überlebt. Er war mit Sicherheit der mächtigste Mann in diesem Verein – und der wichtigste. Neben seiner sportlichen Klasse war Mattuschka auch für die Stimmung innerhalb der Mannschaft von immenser Bedeutung. Ich erinnere mich an etliche Auswärtsfahrten, bei denen wir oft viel Quatsch gemacht haben. Einmal haben wir uns nachts um zwölf ein paar leckere Schweinereien aus der Küche auf unser Hotelzimmer bringen lassen. Außerdem war er auch für die jungen Spieler immer da, er hat geholfen, wo es ging. Wenn es hart auf hart kam, konnte man sich auf »Tusche« verlassen. 
 
Es ist traurig zu sehen, wie ihn die Union-Verantwortlichen Stück für Stück demontiert haben. Mit ihm geht das Gesicht von Union Berlin. Ich wünsche ihm, dass er in Cottbus die Wertschätzung erfährt, die er bei Union lange auch bekommen hat. Dass er der Mannschaft sportlich weiterhelfen wird, steht außer Frage.«
 
Stefanie Fiebrig
Stefanie Fiebrig betreibt den Blog »Textilvergehen«, arbeitet als freie Fotografin und schreibt für das Köpenicker Magazin »Maulbeerblatt« sowie die »Berliner Morgenpost«. Sie kennt Torsten Mattuschka aus zahlreichen Interviews und von vielen Fototerminen.
 
»Man sagt immer, dass kein Spieler größer ist als der Verein. Bei Mattuschka ist das anders – Mattuschka ist dieser Verein. Nicht nur weil er lange da war, sondern vor allem weil er als Typ alles verkörpert, was die Leute an Union mögen. Eine Identifkationsfigur.
 
Fußballerisch ist er zu einer Führungsfigur geworden, dabei musste er in seinem Leben viele Tiefschläge wegstecken. Er ist von der Sportschule geflogen und wurde in Cottbus zunächst aussortiert. Doch er ist immer wieder aufgestanden. 
 
Mir fallen zwei Anekdoten ein, die besonders gut zeigen, was ›Tusche‹ bei Union ausgemacht hat. Im Sommer 2011 hat er auf dem Mannschaftsfoto seinen blanken Hintern präsentiert und damit gezeigt, dass er neben dem Anführer auch die Spaßkanone der Mannschaft ist. Aber fast noch wichtiger: Er wird immer derjenige bleiben, der beim 2:1 gegen Hertha im Olympiastadion den Siegtreffer geschossen hat. Das Jubelbild mit John Jairo Mosquera wird man hier nie vergessen.
 
An seiner Leistung, wird jeder Spieler bei Union künftig gemessen werden. Wobei ich auch sagen muss: Union ohne Torsten Mattuschka ist für mich kaum vorstellbar.«
 
 
Karim Benyamina
Karim Benyamina kam 2005 zusammen mit Mattuschka zu Union und blieb bis 2011. Mittlerweile spielt Benyamina beim Berliner AK. Er und Mattuschka treffen sich auch heute noch regelmäßig und sind gut befreundet.
 
»Es ist traurig, dass ›Tusche‹ Union nach so langer Zeit verlassen muss. Vor allem nach der Leistung in der vergangenen Saison. Ich kann mir nur vorstellen, dass er in das 3-5-2-System, auf das Union jetzt umstellen will, nicht ganz hinein passt. Aber wenn man den Topscorer der zweiten Liga in der Mannschaft hat, sollte man versuchen, die Aufstellung um ihn herum zu bauen. Das ist nicht passiert, deshalb ist sein Wechsel zu Energie Cottbus richtig.
 
›Tusche‹ hat bei Union über neun Jahre immer 110 Prozent gegeben und wurde jetzt einfach so fallen gelassen. Es ist absolut verständlich, dass er die Chance genutzt hat, wieder bei seinem Heimatverein zu spielen. Das soll nicht heißen, dass ihm an Union nichts mehr liegt. Er steht immer noch hinter dem Verein. Zumindest mir gegenüber hat er in den letzten Tagen nie schlecht über Union geredet.
 
Ich hatte mit ihm eine geile Zeit bei Union und wünsche ihm, dass er mit Cottbus zurück in die zweite Liga kommt. Dann wird er allen zeigen, dass er zu Unrecht bei Union nicht mehr berücksichtigt wurde.«
 
Matthias Koch
Matthias Koch ist freier Journalist und schreibt unter anderem für den Tagesspiegel. Er ist Autor des Buches »Immer weiter – ganz nach vorn« und hat Torsten Mattuschka lange medial begleitet.
 
»Torsten Mattuschka war wie der Typ von nebenan, der gleichzeitig noch Profifußballer war: Immer einen Scherz auf Lager, trotzdem bodenständig und nie herablassend.
 
Der Höhepunkt war, als ich bei seinem Junggesellenabschied dabei sein durfte, um Fotos zu machen. Mattuschka zog als Banane verkleidet durch Berlin. Ich war mit in dem Lokal, wo er mit Freunden und Mitspielern von Union gefeiert hat. Als ich dann alle Bilder geknipst hatte und gerade los wollte, sagte Mattuschka: ›Mensch Matze, iss doch noch mit uns.‹ Er nötigte mich fast, da zu bleiben. Also aß ich mit ihm und seinen Freunden zu Abend. Aber irgendetwas war komisch. Alle Gäste schauten mich die ganze Zeit an. Sie schienen auf was zu warten. Irgendwann merkte ich einen brennenden Schmerz im Mund, ich wollte reden, doch die Stimme war weg. Mir war kochend heiß. Die anderen haben sich ordentlich beeiert, und Mattuschka, der mir eine superscharfe Tabasco-Sauce ins Essen gekippt hatte, lachte am lautesten. Danach habe ich ein großes Glas Milch bekommen, der Schmerz ließ nach, und ich durfte endlich gehen. 
 
Was ich damit sagen will: Nicht nur fußballerisch ist ›Tusche‹ herausragend, auch als Stimmungskanone ist er unersetzlich. Ich werde ihn sicherlich vermissen, weil es so einen Typen in der heutigen Spielergeneration nicht mehr gibt. Und noch was ist sicher: Union ist ein großes Stück ärmer geworden.«

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