Veh und Bruchhagen über ihre Freundschaft

»Jetzt erzähl bloß noch, du wärst harmoniesüchtig. Dann falle ich tot um.«

In Beziehungen heißt es: »Aufgewärmtes geht meistens schief.« Lässt sich der Spruch auf den Fußball übertragen?
Veh: Für mich beim VfB schon, für Jupp Heynckes bei den Bayern war es das Beste, was ihm und den Bayern passieren konnte.

Haben Sie bei Vehs Rückholaktion über diesen Spruch nachgedacht, Heribert Bruchhagen?
Bruchhagen: Ich habe mir nur die Qualitätsfrage gestellt und überlegt, welcher Typ am besten zur Mannschaft passt. Und von denen, die zur Verfügung standen, war Armin derjenige, zu dem ich am meisten Vertrauen hatte. Das hat mit unserer Freundschaft überhaupt nichts zu tun. Im Übrigen hat bei der Trainersuche Bruno Hübner auch einen Stern mehr als ich.

Armin Veh, bei Ihrer Rückkehr muss Ihnen klar gewesen sein, dass Ihnen Ihr Abschiedssatz vor die Füße fallen würde: »Ich verlasse die Eintracht, weil ich keine Lust mehr habe, dem gegnerischen Trainer zum Sieg zu gratulieren.«
Veh: Ich habe ihn halt gesagt.

Aber Lust, sich dafür zu rechtfertigen, haben Sie nicht.
Veh: Vielleicht mache ich mir Gedanken darüber, ob ich mich bei einem Klub wohl fühle …
Bruchhagen: Jetzt erzähle bloß noch, du wärst harmoniesüchtig. Dann falle ich aber tot um.
Veh: Aber ich mache mir vorab keine Gedanken darüber, was passieren kann, wenn ich irgendeine Entscheidung fälle. Ich verstehe mein Engagement bei Eintracht auch nicht als Rückkehr, sondern als Neustart.

Sind Sie deshalb in ein anderes Haus gezogen?
Veh: Nein, in meinem alten wohnt mittlerweile Haris Seferovic. Den hätte ich natürlich verkaufen können, wenn ich in das Haus zurückgewollt hätte. Aber Spaß beiseite: Ich bin in eine andere Gegend gezogen, weil die Ankunft hier etwas Jungfräuliches haben sollte.

War es dennoch ein bisschen wie nach Hause zu kommen?
Bruchhagen: Ich kann zumindest sagen, dass wir beide sehr vertraut zusammenarbeiten. Auch wenn ich nicht unbedingt begeistert bin, wenn er im Trainingslager den Journalisten steckt, dass er gern noch einen Spieler auf halblinks braucht, obwohl er weiß, dass das Geld alle ist.
Veh: Das war notwendig. In Stuttgart habe ich solche Zeichen nicht gesetzt und es im Nachhinein bereut.

Gab es ein Ereignis, eine Begegnung mit dem Zeugwart beispielsweise, die bei der Rückkehr Heimatgefühle in Ihnen auslöste?
Bruchhagen: Freunde, das ist doch Gefühlsduselei. Hört damit auf.
Veh: Ich brauche schon eine Wohlfühl-­Atmosphäre. Bei manchen Vereinen dauert es länger, bei manchen kommt es nie, aber hier war es schnell wieder da.
Heribert Bruchhagen, warum müssen Sie den Fußball immer so wahnsinnig rational betrachten?
Bruchhagen: Es ist meine Überzeugung und Pflicht als Vorstandsvorsitzender, die Dinge realistisch zu betrachten.

Aber wäre es zu Beginn Ihrer letzten Saison nicht an der Zeit, ein wenig sentimental zu sein? Haben Sie nicht die Hoffnung, dass Armin Veh eine Ära begründen könnte?
Bruchhagen: Das hätte er doch haben können, aber nach drei Jahren ist er weggegangen. Keiner wollte das. Aber das liegt so in seiner Art.

Auch jetzt?
Bruchhagen: Ich denke schon. Er ist einfach nicht der Typ, der acht Jahre hier bleibt.

Was sagen Sie dazu, Armin Veh?
Veh: Acht Jahre sind eine lange Zeit. Ich bin nach drei Jahren auch gegangen, weil die Zeit sehr kräftezehrend war.
Bruchhagen: Einen Satz wie »Keine Lust mehr, dem gegnerischen Trainer zu gratulieren«, sagt doch alles. Armin hatte am Ende das Gefühl, das vor ihm wohl jeder Trainer hier bekommen hat. Das Gefühl, dass es einfach nicht vorangeht. Jeder weiß doch, dass es extrem schwer ist, unter die ersten Sechs zu kommen. Aber der Fußball ist Emotion, man will den Leuten auch mal was suggerieren. Wenn ich bei Veranstaltungen sage »Unser Ziel ist Europa!«, dann kriege ich tosenden Beifall, aber die Realität sieht meistens anders aus. Wir hatten also maximalen Erfolg unter Armin Veh, denn in den kommenden Jahren wird Eintracht wahrscheinlich zwischen Platz sieben und 14 hin- und herwandern. Das macht wohl kein Trainer acht Jahre lang mit.

Sie haben das Wort, Armin Veh!
Veh: Für jeden Trainer ist dieser Vorstandschef ideal. Er stellt sich hartnäckig in den medialen Wind, wenn es schlecht läuft, was sich allein daran zeigt, dass er hier nie einen entlassen hat.
Bruchhagen: Doch, einen: Michael Skibbe.
Veh: Aber er ist eben auch sehr ehrlich. Wir haben damals im Winter 2014 über den Etat für die neue Saison gesprochen. Er sagte: »Wir haben die gleichen Mittel wie in der zurückliegenden Serie.« Das bedeutete für mich, dass ich keinen Schritt weiterkomme.
Bruchhagen: Und ich sagte ehrlicherweise: »Ja, Armin, wir haben 30 Millionen Euro zur Verfügung. Wir können keinen Schritt weiter machen, weil wir die Latte nur dorthin legen können, wo wir uns nicht übernehmen.«
Veh: Am Ende waren es wegen der Europa League zwar 35 Millionen, aber ich habe schon im Winter gesagt, dass ich aufhöre, damit der Verein Zeit hat, einen neuen Trainer zu suchen.