Vasile Miriuta über Geyer, Cottbus und Champagner

»Ede Geyer verbesserte meine Freistöße«

Was hat Ihnen damals eigentlich die Sicherheit gegeben, aus einem ruhenden Ball Gefahr zu erzeugen?
Mein Technik. Ich wusste, dass ich gut genug bin, einen Freistoß über die Mauer ins Tor zu zirkeln. Ganz einfach.

Ganz einfach? Bei Cristiano Ronaldo und Co. sieht das heute nach ganz großem Spektakel aus.
Pah! (steht auf und ahmt, in Badelatschen und Trainingsanzug, Ronaldos typische Freistoß-Show nach) Diesen ganzen Kram braucht doch kein Mensch. Ronaldo ist ein großartiger Fußballer, der könnte auch einfach ganz normal Anlauf nehmen und das Ding reinknallen.

Und was ist mit Mario Baslers Geheimtipp: immer das Ventil nach oben? Auch Quatsch?
Meiner Meinung nach ja. Mario hätte seine Tore auch gemacht, wenn das Ventil im Dreck gelegen hätte.

Wie haben Sie Freistöße trainiert?

Bis ich nach Cottbus kam ganz klassisch. Nach dem Training habe ich mir das Ballnetz geschnappt und ein Ding nach dem anderen über die Plastikmauer geschlenzt. Irgendwann schaute mir Ede Geyer dabei zu. Ich sagte: »Trainer, schau, alle drin!« Er antwortete: »Aber du machst es falsch.« Ich zu ihm: »Trainer, was mache ich falsch, wenn alle reingehen?« Er: »Du legst Dir hier ganz in Ruhe 20 Bälle hin und schießt. Das ist unrealistisch.«

Was meinte er damit?
Dass ich während des Spiels unter ganz anderen Voraussetzungen schießen müsste. Nach 80 Minuten in einem laufintensiven Spiel, ordentlich aus der Puste und mit nur wenigen Sekunden zum Durchatmen. Also machte ich folgendes: Vor jedem Freistoß rannte ich zehn Meter vor und zehn Meter zurück. Und erhöhte tatsächlich meine Trefferquote. Ede Geyer war schon ein Fuchs.

Also ist es nur eine Frage der Übung, ein guter Freistoßschütze zu werden?
Training macht dich besser. Aber das Talent ist da oder eben nicht. Ich zum Beispiel wurde mit meiner doch sehr ordentlichen Technik geboren. Und habe dann versucht, das Beste draus zu machen.

Vasile Miriuta, lieben Sie Ihren Beruf?
Ich liebe Fußball. Also: ja.

Warum?
Erstens: Weil ich mein Herz schon mit sechs Jahren an dieses Spiel verschenkt habe. Also vor 41 Jahren. Es muss Liebe sein. Und zweitens: Weil mir nur der Fußball Momente schenken kann, wie neulich beim 1:0-Sieg gegen Dresden. Zumindest für ein paar Sekunden denkst du, dass du den Mount Everest in Badelatschen besteigen könntest. Ich habe keine Ahnung von Drogen. Aber genauso dürfte sich ein guter Trip anfühlen.