Valencia-Legende Gaizka Mendieta im Interview (2)

»Wir spielten zwischen Blur und Portishead«

Gaizka Mendieta lief in seiner Karriere für Valencia, Lazio Rom oder den FC Barcelona auf, dabei schoss er Traumtore am Fließband. Im Interview erklärt er, welches das schönste war. Und wie er plötzlich auf einem großen Festival Gitarre spielte.

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Hier geht es zum ersten Teil des Interviews mit Gaizka Mendieta. 

Gaizka Mendieta, als Sie von Valencia zu Lazio Rom wechselten, waren Sie dort der Rekordtransfer. allerdings kamen Sie in Rom nie richtig in Tritt. Lag das am Fußball, der in der Serie A gespielt wird?

Nein, das war es nicht. Ich kam zu Lazio, als sie im Jahr zuvor die Liga und den Pokal gewonnen hatten. Mit mir kamen fünf andere neue Spieler. Ein erfolgreiches Jahr, neue Spieler: Das ist immer schwierig. Wir brauchten sehr viel Zeit, um uns aneinander anzupassen.

Das Mittelfeld hätte wahnsinnig gut harmonieren können. Sie, Diego Simeone und Ivan de la Peña, drei sehr gute Fußballer, alle spanischsprachig...

Ivan hat leider so gut wie gar nicht gespielt, er stand oft nicht einmal im Kader. Generell gab es keine Konstanz im Mittelfeld. Die Aufstellung wurde ständig verändert, deswegen konnten die Räder nie ineinandergreifen.

Nach einem Jahr wechselten sie auf Leihbasis zum FC Barcelona, spielten im Mittelfeld mit Philipp Cocu, Luis Enrique, Xavi, Iniesta...

Und Thiago Motta. Alles sehr talentierte Spieler. Xavi und Iniesta kamen gerade aus der Reserve, wechselten immer wieder zwischen erster und zweiter Mannschaft.

War dieser Überfluss an Mittelfeldspielern ein Grund, warum Sie, trotz guter Leistungen, nur eine Saison bleiben?

Ich war ja von Lazio ausgeliehen. Und Barça steckte in einer sehr heftigen Phase. In einer Saison hatten sie zwei Präsidenten und drei Trainer. Als sich die Saison dem Ende näherte, kam Txiki Bergistain, der damalige Sportdirektor, zu mir und sagte, dass sie einiges ändern wollen und auch der Kader umstrukturiert werden soll. Wir Leihspieler waren dann die ersten, die es traf. Es war wohl leider nicht der perfekte Moment, um zu Barça zu kommen.

In dem Song: »Un buen dia« beschreibt die Band Los Planetas einen schönen Tag. Darin heißt es: »Ich habe den Fernseher gemacht, es lief ein Fußballspiel – Und Mendieta schoß ein Tor, es war wirklich unglaublich.« Wann haben Sie das Lied zum ersten Mal gehört?

Direkt als die Single rauskam und ich mir die CD gekauft habe. Ich war Fan von der Band, hatte sie schon mal live gesehen, aber bis dahin noch nie mit ihnen gesprochen.

Sie standen 2015 mit ihnen auf der Bühne.

Los Planetas sind Barça-Fans. Als ich dann nach Barcelona wechselte, lernte ich die Band kennen und mittlerweile sind wir gut befreundet. Bevor sie 2015 auf dem FIB (Festival Internacional de Benicasim), dem bedeutendsten spanischen Indie-Festival, auftraten, haben wir zusammen gegessen und sie haben mich gefragt, ob ich mit ihnen am nächsten Tag auftreten will.

Wie war es auf die Bühne zu kommen? Waren Sie aufgeregter als vor wichtigen Fußballspielen?

Ich war deutlich aufgeregter. Ich spiele zwar Gitarre, aber zu dem Zeitpunkt hatte ich lange keine mehr angefasst. Wir sind zwischen Blur und Portishead aufgetreten. Am Morgen war ich auf der Probe, da haben wir geschaut ob das überhaupt klappt. Ich musste nur vier Akkorde spielen, also nichts allzu Schwieriges, aber ich saß den ganzen Tag in meinem Zimmer, die Gitarre in der Hand und habe geübt und geübt. Als ich dann auf der Bühne stand, war es unbeschreiblich. Los Planetas sind eine der bedeutendsten Bands Spaniens und ich bin immer auf das FIB gegangen. Als ich dann dieses Lied auf diesem Festival gespielt habe, war es, als würde sich ein Kreis für mich schließen.

Wissen Sie, welches Tor genau besungen wird?

Nein, das bleibt für immer ein Mysterium. Sie sagen, es geht um kein bestimmtes. Sie meinten nur, sie sind Fußballfans und Mendieta hätte in dieser Zeit halt einfach »Golazos« geschossen (lacht).

Zwei blieben besonders in Erinnerung: Das Tor aus dem Copa-del-Rey-Viertelfinale 1999 im Camp Nou. Und das Tor im Finale gegen Atlético Madrid. Haben Sie ein Lieblingstor?

(Überlegt) Das sind beides komplett unterschiedliche Tore, beide spektakulär, aber komplett unterschiedlich. Das gegen Atlético Madrid war schwieriger. Es erforderte mehr Talent, mehr Technik. Ballannahme mit der Brust, über den Verteidiger lupfen, volley, und es war natürlich ein Finale, die erste große Trophäe für Valencia seit 20 Jahren. Das gegen Barça sieht spektakulärer aus. Den Ball im Camp Nou nach der Ecke direkt so zu treffen war schon auch schön. Aber wenn ich mich zwischen diesen beiden entscheiden muss, dann nehme ich das aus dem Finale.