Union Berlin: Fans können Stadionaktien kaufen

»Das kann man mit Geld nicht aufwiegen«

Ein ungewöhnlicher Plan: Union Berlin will 58 Prozent der Eigentumsanteile am Stadion an die eigenen Fans verkaufen. Im Interview spricht André Rolle, seit 44 Jahren Union-Fan und ehemaliger Stadionsprecher, über das Modell und seine Vorteile. Union Berlin: Fans können Stadionaktien kaufen

André Rolle, ab dem 1. Dezember können alle Mitglieder und Sponsoren des 1. FC Union Anteile am Stadion An der Alten Försterei in Form von Aktien erwerben. Werden Sie auch welche kaufen?

André Rolle: Auf jeden Fall! Eine Stadionaktie muss für mich sein. Ich denke, für viele ist es Ehrensache.

Eine Aktie kostet 500 Euro. Glauben Sie, dass jeder Fan gewillt ist, soviel Geld auszugeben?

André Rolle: Sie haben Recht, günstig ist das nicht. Ich bekomme 800 Euro Rente im Monat, aber der 1. FC Union ist mir das wert. Viele, mit denen ich in den vergangenen Tagen gesprochen habe, denken genauso. Schließlich ist es ja für einen guten Zweck.

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Wie meinen Sie das?

André Rolle: Die Idee, das Stadion in die Hände der Fans zu geben, ist etwas ganz Neues. Der Verein hat nachgedacht, wie man bestimmte Strukturen, die sich im Fußball breit machen, durchbrechen kann. Anstatt wie andernorts üblich die Macht auf eine Einzelpersonen zu übertragen, wird bei Union die Basis gestärkt.

Glauben Sie, dieses Modell ist zukunftsfähig?

André Rolle: Es ist auf jeden Fall eine Alternative. Schauen Sie sich doch nur an, was mit Arminia Bielefeld passiert ist. Die haben sich beim Stadionbau total übernommen und sind jetzt pleite. So etwas darf uns nicht passieren. Lieber bezahlen die Fans bei Union mit ihrem eigenen Geld und sichern sich so etwas für die Ewigkeit.

Ist das nicht etwas zu hoch gegriffen?

André Rolle: Mir gibt die Aktion ein gutes Gefühl. Wenn ich einmal abtrete und weiß, dass die Alte Försterei in Händen derer ist, die ihnen wirklich am Herzen liegt, bin ich beruhigt.



Gibt es etwas, dass Ihnen an dem angestrebten Aktienmodell missfällt?

André Rolle: Nein, nichts.

Man könnte sich zum Beispiel fragen, warum ausgerechnet die Fans, die vor drei Jahren geholfen haben, das Stadion zu bauen, nun zur Kasse gebeten werden.

André Rolle: Das ist ein völlig falscher Ansatz. Wir werden nicht zur Kasse gebeten, wir setzten jetzt den I-Punkt auf eine Sache, die wir mit viel Herzblut begonnen haben. Was es für Union-Fans bedeutet, Mitbesitzer der Alten Försterei zu sein, kann kein Außenstehender nachvollziehen.

Versuchen Sie doch, es uns zu erklären.

André Rolle: Jeder, der ab 2008 mitgeholfen hat, das Stadion zu renovieren, hat eine ganz eigene Beziehung zur Alten Försterei. Das ist nicht einfach nur ein Ort, wo man seine Zeit verbringt. Und wenn man dann schwarz auf weiß bestätigt bekommt, Mitbesitzer zu sein, ist das großartig.

Laut Unions Präsident Dirk Zingler wären die Aktien nicht dafür ausgelegt, dass ihre Besitzer viel Gewinn damit machen können. Finden Sie das als Anleger nicht seltsam?

André Rolle: Warum denn? Fans wie mir geht es nicht darum, großartig Geld mit der Aktie zu verdienen. Die kommt an die Wand, gleich neben dem „Stadionbauer-Helm“, den es damals zur Eröffnung der Alten Försterei gab. Nicht alles ist immer mit Geld aufzuwiegen.

Was glauben Sie, wie viele Fans sich Aktien kaufen werden?

André Rolle: Ich rechne mindestens mit 5000. Bei 7500 Mitgliedern wäre das sehr viel.