Trochowski über den FCA in Europa

»Bilbao ist ein bemerkenswerter Klub«

Athletic Bilbao ist ein besonderer Klub. Es spielen dort nur Profis, die aus dem Baskenland stammen oder zumindest in der Jugendabteilung eines baskischen Klubs ausgebildet worden sind. Ein ungewöhnliches Modell im modernen Fußballgeschäft.
Was dort aufgebaut worden ist und mit welchem Erfolg diese Tradition beibehalten wird, ist schon sehr bemerkenswert.

Werden die Basken dafür von Restspanien nicht als seltsame Eigenbrötler belächelt?
Nein, ich hatte den Eindruck, dass man großen Respekt davor hat, mit welcher Konsequenz das durchgezogen wird. Der Verein nimmt ja durch Spielerverkäufe immer wieder mal viel Geld ein. Da ist die Verlockung groß, das Geld für nichtbaskische Neuzugänge auszugeben. Aber man holt damit lieber Basken zurück.

Ist diese Vereinsphilosophie auch ein Grund für die von Ihnen angesprochene Heimstärke von Athletic Bilbao? 
Ja, ich denke, das macht schon etwas aus. Man hat das Gefühl, dass da ein besonderer Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft besteht, der im eigenen Stadion noch stärker zur Geltung kommt als auswärts.

Sie haben unlängst in einem Interview über rüde Methoden im spanischen Profifußball berichtet, unter denen auch Sie zu leiden hatten. Ihnen wurde beim FC Sevilla am letzten Tag der Transferperiode gekündigt – ohne  Chance einen neuen Verein zu finden. Geht die Klubführung in Bilbao mit ihren Angestellten etwas pfleglicher um?
Wie das dort abläuft, weiß ich nicht. In meiner Zeit beim FC Sevilla habe mitbekommen, dass es in Spanien häufiger vorkommt, dass Spielern im letzten Vertragsjahr ein Angebot gemacht wird. Die Klubs sagen den Spielern offen, dass sie keine Chance mehr haben und unterbreiten ein Angebot für den Fall, dass man den Klub verlässt. Wenn du nicht drauf eingehst, streichen sie dich von der Kaderliste. Was meinen Fall angeht, läuft der Rechtsstreit noch. Ende September ist Gerichtstermin. Ich hoffe, dass dann die Sache endlich abgeschlossen ist – bis dahin will ich darüber nicht mehr großartig diskutieren.

Es fällt auf, dass seit Einführung der Europa League in der Saison 2009/2010 der Titel viermal nach Spanien ging. Ist das nur Zufall oder steckt mehr dahinter?
Die Europa League genießt in Spanien einen viel höheren Stellenwert als beispielsweise in Italien oder England. Die spanischen Klubs wollen so weit wie möglich kommen, bei den Vertreten der Serie A oder Premier League hat man nicht immer diesen Eindruck. Da kommt schon mal eine B-Mannschaft zum Einsatz.

---------

In der neuen 11FREUNDE sprechen Trochowskis Teamkollegen Halil Altintop und Tobias Werner über das Abenteuer Europa League.

Das gesamte Inhaltsverzeichnis findet ihr hier ---> 11FREUNDE #167