Tomislav Maric über Trainer, Tore und Tony Yeboah

»Das Geschäft ist manchmal absurd«

Bei seinem Profidebüt hatte Tomislav Maric Angst. Aber er machte trotzdem weiter, wurde Volksheld in Japan und war bei Hoffenheims Durchmarsch aus der Regional- bis in die Bundesliga dabei.

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Tomislav Maric, Sie waren zuletzt beim slowakischen FK DAC Dunajska Streda tätig und haben die Mannschaft vor dem Abstieg gerettet und dann auf einen soliden Mittelfeldplatz geführt. Warum haben Sie den Vertrag nach anderthalb Jahren aufgelöst?
Als ich bei Dunajska Streda anfing, mussten wir die ganze Infrastruktur neu aufbauen, die medizinische Abteilung etwa oder die Trainingsplätze. Rückblickend kann ich sagen: Ich hatte eine schöne Zeit dort. Trotzdem gab es am Ende unterschiedliche Auffassungen, etwa in Fragen der Jugendarbeit. Es fühlte sich nach Stillstand an, und ich hatte das Gefühl, ich müsste mich verändern.
 
Die slowakische Liga stellt man sich nicht unbedingt als idealen Einstieg für eine Cheftrainer-Karriere vor. Was hat Sie gereizt?
Nach meiner Zeit als Co-Trainer in Hoffenheim und Stuttgart konnte ich dort als Cheftrainer und Manager in Personalunion arbeiten. Es war eine Herausforderung. Ein Job, der mir neue Perspektiven aufgezeigt hat. Ich mag so etwas.
 
So wie in Hoffenheim?
Damals war es ähnlich. Als ich 2006 als Spieler zur TSG wechselte, haben mich auch viele gefragt: Tomi, warum tust du dir Regionalliga an?
 
Eine berechtigte Frage. Sie waren kroatischer Nationalspieler und viele Jahre in der Bundesliga aktiv gewesen.
Zugegeben: Es war eine Umstellung. Zumal ich wenige Woche vor meinem Wechsel noch in Japan für Urawa Red Diamonds gespielt hatte. Mein letztes Spiel war das Pokalfinale 2006 in Tokio. Ich schoss beim 2:1-Sieg das zweite Tor. Vor 75.000 Fans.



Tomislav Maric über seine Zeit in Japan >>
 
Und dann die harte Landung in der baden-württembergischen Provinz.
Das erste Heimspiel bestritten wir vor 1700 Zuschauern gegen den SV Wehen Wiesbaden. Aber ich gewöhnte mich bald ein. Auch weil ich in Hoffenheim von Anfang an sehen konnte, wohin die Reise gehen sollte. Es gab einen Plan, und ich konnte hautnah miterleben, wie er nach und nach aufging. Als ich nach zwei Jahren meine Profikarriere beendete, half Ralf (Rangnick, d. Red.) mir beim Übergang ins Trainerteam.
 
Rangnick betont gerne, dass er viel von Arrigo Sacchi gelernt habe. Sind Sie Fan eines anderen Trainers?
Natürlich sind Jose Mourinho oder Pep Guardiola hervorragende Trainer, aber ich finde, jeder muss seine eigene Handschrift entwickeln. Fan war ich nie.
 
Nicht mal als Kind?
Ich komme aus Heilbronn und war öfter im damaligen Neckarstadion beim VfB Stuttgart. Wirklich toll fand ich aber nur den SSC Neapel. Wegen Diego Maradona und Careca.
 
Hatten Sie damals schon den Plan, Fußballprofi zu werden?
Es war ein Traum. Aber es gab für mich auch ein Leben neben dem Fußball. Zunächst wollte ich Koch werden, ich machte auch mal ein Praktikum in einem Hotel. Dann merkte ich aber, dass sich die Arbeitszeiten nicht mit dem Fußball vereinbaren lassen. Also begann ich eine Ausbildung als Industriemechaniker. Während ich die Lehre machte, trudelten die ersten Angebote von höherklassigen Teams ein, etwa von den Stuttgarter Kickers. Ich lehnte alles ab, weil ich die Ausbildung zu Ende machen wollte. Es war eine völlig andere Zeit.
 
Inwiefern?
Heute werden die jungen Spieler schon in jungen Jahren in Internate gesteckt. Sie bekommen Medientrainings und werden mental geschult. Damals habe ich noch mit 17 tagsüber die Berufsschulbank gedrückt und bin abends zum Training gefahren. Ich stolperte total unvorbereitet in den Profibereich hinein.
 
Hat es deswegen beim Karlsruher SC nicht geklappt?
Als ich 1994 von der SpVgg Ludwigsburg zum KSC wechselte, war ich 21 Jahre alt und mit der Situation ziemlich überfordert. Ich konnte mich nicht mal auf mein erstes Spiel freuen. Im Gegenteil: Ich hatte regelrecht Angst, das erste Mal in ein so riesiges Stadion einzulaufen.
 
Ihr erstes Bundesligaspiel machten Sie am 7. Oktober 1994 im Frankfurter Waldstadion.
Winnie Schäfer brachte mich fünf Minuten vor Schluss. Meinen ersten Zweikampf erinnere ich noch gut: Es fühlte sich an, als sei ich gegen den Mount Everest gelaufen. Als ich aufblickte, sah ich: Es war Anthony Yeboah. Am Ende kam ich beim KSC nur auf vier Kurzeinsätze. Ich machte danach einen Schritt zurück und ging zu Wattenscheid 09 in die Zweite Liga.

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