Tomislav Marić über seine Zeit in Japan

»Das Glücksgefühl eines Titels übertrifft alles«

Tomislav Marić spielte nur sieben Monate für die Urawa Red Diamonds, trotzdem feiern ihn die Fans bis heute als Vereinsheld. Was hat er richtig gemacht?

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Tomislav Marić, Sie haben gerade mal sieben Monate bei den Urawa Red Diamonds gespielt. Als Sie im Januar 2006 zurück nach Deutschland gingen, wurden Sie von 1000 Fans am Flughafen verabschiedet. Können Sie uns das erklären?
Es hat einfach gepasst. Und sportlich lief es auch ganz gut.
 
Bitte nicht so bescheiden, Warum waren Sie so beliebt?
Vielleicht lag es an meiner Art, ich bin generell ein sehr offener und interessierter Typ. Bevor ich nach Japan ging, habe ich mich über die Kultur und die Menschen informiert. Manchmal sind ja schon Kleinigkeiten wichtig. Ich wusste, wie man „Guten Tag“ und „Dankeschön“ sagt. Ich wusste, dass man sich nicht die Hand gibt, sondern dass es verschiedene Arten der Verbeugung gibt. Letztendlich hat mich Japan von Anfang an fasziniert – und vermutlich habe ich das auch ausgestrahlt.
 
Kurz bevor Sie nach Japan gingen, lief der Film »Lost in Translation« mit Bill Murray in den Kinos, in dem auch die kulturellen Gegensätze zwischen der fernöstlichen und der westlichen Welt thematisiert werden. Gesehen?
Nein. Aber ich weiß natürlich, was Sie meinen. Es gibt Unterschiede, und manches mag am Anfang seltsam wirken, aber es ist doch toll, sich darauf einzulassen. Vorher wusste ich zum Beispiel nicht, was Yakiniku ist. Am Ende habe ich es geliebt.
 
Klären Sie uns auf.
Yakiniku ist eine Art Barbecue. Man sitzt in einem Restaurant im Kreis um einen strombetriebenen Grill, auf dem man alles Mögliche braten kann. Sehr lecker.
 
Was sind die Unterschiede im Spiel?
Vom Tempo und Technik gibt es kaum Unterschiede. Allerdings war das Spiel damals nicht so hart, die Japaner  spielten selten richtig aggressiv.
 
Die Höflichkeit gereicht Ihnen im Fußball zum Nachteil?
So war es damals jedenfalls. Heute ist der Fußball ja viel globaler, und viele Japaner haben im europäischen Ausland gelernt, dass man auch mal dreckig spielen kann, ohne gleich unfair zu werden.
 
Was wussten Sie über Ihren Verein?
Ich kannte die Geschichten aus den Neunzigern, als mit Uwe Rahn, Uwe Bein, Michael Rummenigge und Guido Buchwald vier Deutsche bei den Urawa Red Diamonds spielten. Und ich wusste natürlich, dass der Klub das größte Fan-Aufkommen Japans hatte. Die Ziele waren jedes Jahr groß. Als ich kam, standen wir dementsprechend richtig schlecht – wir waren nur Siebter.
 
Wie haben die Fans reagiert?
Erstaunlich ruhig. Im Gegensatz zu Deutschland war die Grundstimmung immer positiv, friedlich und höflich. Während der Spiele gab es 90 Minuten Unterstützung, egal ob wir verloren und gewannen. Das gefiel mir.
 
In Wolfsburg oder in Stuttgart konnten Sie vermutlich unbehelligt durch die Stadt spazieren. Wie war es in Saitama oder Tokio?
Natürlich war der Rummel nun größer. Aber ich habe damit nie ein Problem gehabt, wenn jemand mal ein Autogramm wollte. Das gehörte für mich immer dazu.
 
Sie schossen in sieben Monaten 14 Tore in 18 Spielen geschossen. Wollte der Klub Sie nicht halten?
Im Gegenteil: Sie haben alles versucht. Leider hatte Urawa aber schon einen Vorvertrag mit einem brasilianischen Spieler abgeschlossen. So fiel ich der Ausländerregel zum Opfer. Das war schade, aber ich konnte damit leben – zumal ich mit meiner nächsten Station Hoffenheim auch nicht so viel falsch gemacht habe.

Tod eines WM-Orakels

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Rabiot!