Tim Wiese im Interview

»Wirtschaftlich hat es sich gelohnt«

Kurz vor dem Spiel gegen Fürth am 9. März 2013 wurden Sie endgültig suspendiert. Die „Welt“ schrieb: „Dies ist die Geschichte vom größten Absturz, den ein Bundesligaprofi binnen einer Saison jemals hingelegt hat.“ Ihre Frau ist Psychologin. Haben Sie Ihre Hilfe damals in Anspruch nehmen müssen?
Als Ehefrau ja, als Psychologin nicht. Nach den ersten Wochen sagte Sie mir: „Mach einfach ein paar gute Spiele und die Menschen werden dich wieder respektieren.“ Mein Problem war nur: Die guten Spiele blieben aus. 

Einige Monate nach Ihrer Suspendierung wurden Sie vom neuen Trainer Markus Gisdol in die ominöse „Trainingsgruppe 2“ verfrachtet. Wie entwürdigend war das für einen ehemaligen Nationalspieler?
Es war eine bittere Erfahrung, so abgeschoben zu werden. Ein Jahr lang hoffte ich auf ein Comeback. Bis ich mich mit Hoffenheim im Januar 2014 auf eine Abfindung einigte.

Die soll sechs Millionen Euro betragen haben, dazu fortlaufende Gehaltszahlungen. Viel Geld für einen, der insgesamt nur zehn Bundesligaspiele für die TSG Hoffenheim bestritten hat.
Sportlich gesehen war dieser Wechsel die schlechteste Entscheidung meiner Karriere. Rein wirtschaftlich hat es sich gelohnt. Und trotzdem bereue ich den Transfer. Die ersten zwei Monate nach dem Aus waren hart. Als mir bewusst wurde, dass ich nie wieder Fans meinen Namen rufen hören werde. Natürlich fehlte mir das. Heute ist das Kapitel abgehakt.

Aber Sie sind erst 34, und jetzt sitzen Sie hier, haben die Statur eines Bodybuilders und eine Zigarette in der Hand. Geraucht habe ich schon damals, als Spieler. Und die Muskeln? Mein Gott, da hatte ich eben Bock drauf. 

Ist das wirklich ein würdiger Ersatz für das Leben als Profifußballer?
Ich habe mein Training, ich lebe diszipliniert, ich sehe gut aus und habe Kraft für zwei — ich kann nicht klagen.

Für wen haben Sie sich so aufgepumpt?
Nur für mich.

Schwer zu glauben, wenn man daran denkt, wie Sie in einem Tanktop bei einer Wrestling-Show auftraten und anschließend mit einer Karriere als Catcher liebäugelten.
Sagen wir es so: Wer weiß, wofür mein Körper noch gut ist.

Tim Wiese, wir sprachen zu Beginn über den dunkelsten Moment Ihrer Karriere. Verraten Sie uns Ihr Highlight?
Mein Debüt in der Nationalmannschaft am 19. November 2008 gegen England. Da wusste ich, dass sich all die harte Arbeit wirklich gelohnt hatte.