Tim Wiese im Interview

»Die Karnevalsparty hätte ich mir sparen können«

Leidtragender dieses Transfers war Stammtorwart Tom Starke, der Publikumsliebling in Sinsheim. Wann erfuhren Sie vom Fanprotest, der sich gegen Ihre Verpflichtung erhob?
Bei der EM. Im Fernsehen sah ich Hoffenheim-Fans, die Schilder mit der Aufschrift „Scheiß auf Wiese“ hochhielten.

Hat Sie das gejuckt?
Natürlich. Das Wichtigste für einen Fußballer ist, dass die eigenen Fans ihn respektieren. Als ich diese Schilder und die Proteste sah, hat mich das schon mitgenommen. Ehrlich gesagt habe ich bis heute nicht begriffen, was die Zuschauer gegen mich hatten. Ich hatte ja noch nicht mal eine Trainingseinheit in Hoffenheim bestritten. 

Gleich Ihr erstes Pflichtspiel verloren Sie mit 0:4 – in der 1. Runde des DFB-Pokals gegen den Regionalligisten Berliner AK. Ahnten Sie da schon, wie das Kapitel Hoffenheim ausgehen würde?
So ein Spiel kann passieren. Aber anschließend verloren wir die ersten drei Bundesligapartien. Dann verletzte ich mich und kehrte erst am 8. Spieltag zurück. Womit die Probleme natürlich nicht beendet waren.

Kurz vor dem Ende der Rückrunde wurde Markus Babbel entlassen, auf ihn folgten Interimstrainer Frank Kramer und schließlich Marco Kurz. Kurz nahm Ihnen die Kapitänsbinde weg, stellte Sie in den ersten beiden Spielen der Rückrunde auf, um Sie anschließend nach einer 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt endgültig aus dem Kader zu streichen. Begründung: „Der Druck ist unmenschlich.“ Ihr letzter Einsatz im Hoffenheim-Trikot.
Ich habe ein dickes Fell. Aber wenn man Woche für Woche von allen Seiten herbe Kritik einstecken muss, dann leidet irgendwann das Selbstvertrauen. Ich machte Fehler, die ich so früher nicht gemacht hatte. Die ganze Situation war total beschissen. 

Kurz darauf fielen Sie bei einem Karnevalsbesuch und einem Handballspiel in der SAP-Arena negativ auf, angeblich soll Alkohol im Spiel gewesen sein. Wie bewerten Sie das heute?
Die Karnevalsparty hätte ich mir sparen können. Aber ich war weder betrunken noch habe ich Gäste angepöbelt. Vielleicht war Hoffenheim damals nicht bereit für einen wie mich. Ich glaube, ein „normaler“ Torwart mit kurzen Haaren und weniger Tattoos hätte für deutlich weniger Aufsehen gesorgt.