Tim Wiese im Interview

»Ich schwor mir, nicht wiederzukommen«

Stimmt es eigentlich, dass Sie in der A-Jugend Bayer Leverkusen im Streit verließen?
Das war im Sommer, es war heiß, also kam ich nur mit einer dünnen Jacke zum Training. Ohne T-Shirt drunter. Trainer Thomas Hörster schickte mich nach Hause. Zwei Kilometer waren das. Auf dem Heimweg schwor ich mir, nicht wiederzukommen. Was ich auch nicht tat. 

Also wechselten Sie 1999 zu Fortuna Köln. Trainer dort war damals Toni Schumacher. Der ließ sich einst als Aktiver aus kürzester Distanz Bälle in die Weichteile schießen.
Das hat Gerry Ehrmann später mit mir auch gemacht. 2002 ging ich zum FCK, Gerrys Training war knallhart. Eine Übung bestand daraus, dass er mir aus zwei Metern Entfernung mit voller Wucht die Bälle um die Ohren schoss. Da schlug dann auch mal einer in der Mitte ein. Allerdings trug ich einen Hodenschutz. Sonst wäre das selbst für Gerry zu krass gewesen. 

Warum war Ehrmann für Sie der richtige Trainer?
Weil wir aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Für Gerry und mich war klar, dass es nur drei Dinge braucht, um ein guter Torwart zu sein: Talent, Disziplin – und Herz. Ich bin Gerry sehr dankbar. Vor einigen Jahren schenkte ich ihm eine Rolex mit der Gravur: „Danke für alles, Tim.“

Im August 2002 feierten Sie Ihr Profidebüt beim 1:1-Saisonauftakt gegen den VfB Stuttgart. Mit gerade mal 20 Jahren.
Lauterns Trainer Andreas Brehme gab mir die Chance, doch sein Nachfolger Eric Gerets stellte zunächst den erfahrenen Georg Koch ins Tor, sagte aber zu mir: „Ich gebe dir vier Wochen, um mir im Training zu beweisen, dass du die Nummer eins bist.“ Ich trainierte wie ein Irrer und verdrängte Koch. 

Sie wechselten 2005 für vier Millionen Euro zu Werder Bremen. In was für eine Mannschaft kamen Sie damals?
Werder funktionierte einfach. Das System mit der Raute hatten wir so sehr verinnerlicht, dass Thomas Schaaf uns wohl auch mitten in der Nacht auf den Platz hätte schicken können und wir ein gutes Spiel abgeliefert hätten.

Welchen Draht hatten Sie zu Schaaf?
Er wusste, was er an mir hatte. Viel gesprochen haben wir in all den Jahren kaum. Enger war der Kontakt zu Co-Trainer Wolfgang Rolff. Mit dem ging ich regelmäßig in die Sauna.

Kam Ihnen in der Sauna die Idee, 2008 plötzlich mehr als zehn Kilo abzunehmen?
Nö. Beim Training.

Warum diese Entscheidung?
Weil ich besser werden wollte. Und Nationalspieler. Ich dachte mir, dass das am ehesten klappt, wenn ich abnehme.