Stefan Beinlich über seine Jahre bei Aston Villa


»Vorsicht: Vinnie Jones!«


Als einer der ersten Deutschen überhaupt wagte Stefan Beinlich 1991 den Schritt nach England. Im Interview spricht er über sein damaliges Gewichtsproblem, die Furcht vor Vinnie Jones und sein einziges Tor für Aston Villa.


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Das gesamte Interview mit Stefan Beinlich gibt es in der heute erschienenen 11FREUNDE-Ausgabe. Darin geht es unter anderem um seine Jugend in Ost-Berlin, das Leverkusener Desaster in Unterhaching und die legendäre Rostocker Mannschaft der Neunziger Jahre. Außerdem und unter anderem im Heft: Der Zerfall des 1. FC Köln, die Finanzprobleme der Drittligisten, der Ärger um Babelsberg 03 und ein Interview mit Stefan Kießling. >>> Zum Heft!

 
Stefan Beinlich, als Sie 19 Jahre alt waren, wechselten Sie gemeinsam mit Ihrem Kumpel Matthias Breitkreutz vom Berliner Drittligisten Bergmann-Borsig zu Aston Villa in die First Division. Wie kam es zu diesem Wechsel?


Wir waren einem Scout von Aston Villa im Trainingslager in Holland aufgefallen. In den Wochen danach hauten wir Freiburg mit Volker Finke im DFB-Pokal raus und ich traf doppelt. In der nächsten Runde machte ich wieder zwei Tore. Weil auch Matze gut spielte, luden sie uns zum Probetraining nach Birmingham ein. Ein paar Tage später waren die Wechsel fix.

Die Zeitungen schrieben von einem Sommermärchen. Sportlich lief es in England allerdings weder für Sie noch für Matthias Breitkreutz so richtig rund.
Dabei war Matze gleich nach einer Woche in die Startelf der ersten Mannschaft gerutscht und machte die ersten acht oder neun Spiele am Stück. Und er hatte sogar geniale Momente: Einmal, ich saß höchstens auf der Bank, wahrscheinlich eher auf der Tribüne, da lief sich rechts einer frei, aber Matze spielte den Ball, während er auf den freien Mann rechts guckte, mit dem Außenrist diagonal zu unserem linken Mittelfeldspieler. Da stand das ganze Stadion. Ihm fehlte nur manchmal der letzte Biss. Trainer Ron Atkinson holte uns irgendwann zu sich ins Büro und sagte: »Der eine hat den Kopf, der andere den genialen Fuß - gemixt würdet ihr einen perfekten Spieler ergeben.«

Jetzt sind wir etwas verwirrt. Sie hatten doch auch einen genialen Fuß?

Ich konnte auch kicken, das stimmt. Aber ich war damals körperlich viel zu schwach. Die Engländer haben immer zu mir gesagt: »Stef! You have to be stronger!« Ich habe in Birmingham 70 Kilogramm gewogen. Als ich später mit Leverkusen oder Hertha international spielte, waren es locker 77. 



Immerhin machten Sie in drei Jahren für die erste Mannschaft trotzdem 17 Spiele. Wer war der beste Gegenspieler, auf den Sie dabei getroffen sind?
Ohne Zweifel: Eric Cantona. Ein unfassbarer Fußballer. Als wir gegen Manchester United spielten, stellte Ron Atkinson unseren Verteidiger Earl Barrot gegen Cantona, der sollte ihn 90 Minuten lang in Manndeckung nehmen. Also ließ sich Cantona einfach in die Viererkette fallen und spielte eine Art Innenverteidiger. Earl wusste überhaupt nicht, wie ihm geschah. Cantona dirigierte von hinten heraus die Partie, machte sein Tor und wir verloren. Bei ihm hat man gesehen, dass er es nicht nur in den Beinen hatte, sondern auch im Kopf. Allein ihm zuzuschauen, war eine Freude.



Der Fußball in England galt damals als äußerst brutal. Haben Sie davon etwas mitbekommen?

Eine der ersten Sachen, die mir von meinen Teamkollegen gesagt wurde, war: »Wenn es gegen Vinnie Jones geht: Vorsicht! Du musst immer genau den Überblick behalten, von wo er kommt.«

Haben Sie immer den Überblick behalten?
So weit ich mich erinnere, hat mich zumindest nie übel erwischt (Lacht).

In der Premier League gelang Ihnen genau ein Tor. War das wenigstens schön?
Das war sogar richtig schön! Gegen Newcastle United - die 1:0-Führung. Eine richtige Fackel, Volley aus 20 Metern. Ich bekam den Ball abgelegt, der tippte noch einmal auf und dann hämmerte ich ihn ins Eck. Nach 17 Minuten führten wir mit 1:0. Wollen Sie das Ergebnis wissen?


Gerne.
Wir haben 5:1 verloren. Das war das Jahr, in dem bei Newcastle im Sturm Andy Cole und Alan Shearer wirbelten. Wir hatten das Team einmal kurz angepikt und dann wurden sie wohl etwas sauer.