Stanley Ratifo über sein Leben als Fußballer und Rapper

»Es muss einen Boom geben«

Wie oft trainieren Sie aktuell?
In der Vorbereitung mache ich alle vier Einheiten mit. Während der Saison fahre ich dann auf zwei Einheiten runter.

Dabei sind Sie zur festen Größe in der Nationalelf Mosambiks geworden. Ihr Trainer ist der frühere portugiesische WM-Teilnehmer Abel Xavier. Was denkt er über die Songtexte seines Mittelstürmers?
Aus seiner Zeit bei Hannover 96 kennt er nur noch wenige deutsche Wörter. Er muss ja nicht unbedingt wissen, wovon ich so singe. (Lacht.)

Und was hält er davon, dass Sie sich lieber der Musik als der großen Fußballerkarriere widmen?
Wir haben lange miteinander gesprochen. Er weiß, welchen Stellenwert Musik für mich einnimmt, aber er weiß auch, dass ich alles dafür tue, um im Sommer beim Afrika-Cup dabei zu sein. Er hat mir aber auch klipp und klar gesagt, dass ich nur spielen werde, wenn ich topfit bin.

Seit Sie den Schritt in die Oberliga gemacht haben, läuft es in der Nationalelf optimal für Sie. Gerade haben Sie beim Quali-Spiel in Sambia in der 90. Minute den 1:0-Siegtreffer erzielt.
Vielleicht liegt es daran, dass ich mich seit meiner Entscheidung nicht mehr so unter Druck setze. Seit die Musik im Vordergrund steht, ist Fußball wie ein Hobby, das unheimlich viel Spaß macht. Plötzlich gelingen Dinge, die vorher nie klappten.

Im März kann sich Mosambik mit einem Sieg im Heimspiel gegen Guinea-Bissau für den Afrika-Cup qualifizieren.
Wenn wir im Nationalstadion spielen, kommen da 45 000 Zuschauer. Nach dem Sieg gegen Sambia war das ganze Land außer Rand und Band.

Aber ist so eine Kulisse nicht viel motivierender, als vor ein paar hundert Fans in einem Klub zu rappen?
Es ist anders. Ich habe vor kurzem in Stuttgart vor 2000 Leuten in einer Halle beim »Catch The Fire«-Festival gespielt. Der Unterschied ist: Im Stadion schauen Tausende auf uns Spieler runter. Aber in der Halle schauen die Leute zu mir auf. Dort stehe ich auf der Bühne. Das ist schon eine ganz andere Anspannung. Größer.

Sie rappen: »Good Fellaz ist die Gang, mit der ich rumhäng’, willst du mit mir ficken, macht die Gun: Bang Bang!« Wie gefährlich ist Ihr Leben?
Natürlich habe ich als Farbiger meine Erfahrungen gemacht. Es gibt überall dumme Menschen. Aber mit Knarren habe ich nichts am Hut. Das ist nur eine ironische Anspielung auf den Film »Good Fellas« – und das Label, bei dem ich aufnehme.

Was muss denn jetzt noch passieren, damit es mit der Popstarkarriere klappt?
Ich muss Reichweite schaffen. Ich muss viel unterwegs sein. Kurz: Es muss einen Boom geben.