Skandalkicker Ansgar Brinkmann

»Ich konnte nix vertragen«

Ansgar Brinkmann war ein begnadeter Kicker, aber undisziplinierbar. Im neuen 11FREUNDE-Spezial zum Thema »Skandale« erklärt er, wie er als Aktiver Chaos stiftete – und den Medien-Tsunami ertrug.

Patrick Slesiona
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Spezial

Ansgar Brinkmann, waren Sie ein Skandalprofi?
(Überlegt lange.) Nö.

Sondern?
Ich bevorzuge den Begriff „Freigeist“. Ich bin der deutschen Sprache mächtig, auch sonst ganz in Ordnung, aber ich war kein Vorzeigeprofi. Abmahnungen pflastern meinen Weg. In einigen Fällen war ich kurz vor den 20-Uhr-Nachrichten. Wenn Sie das skandalös nennen wollen, ist das Ihre Sache.

In Ihrer Autobiografie schreiben Sie: »Ein Skandal braucht folgende Zutaten: zu viel Alkohol, Übermut, häufig gekennzeichnet durch einen freien Oberkörper und in manchen Fällen ein Stirnband.« 
Wo ist das Problem, wenn ich so leben will? Aber ein Profi mit Ihrem Talent, der sich so benimmt, schadet auch der Mannschaft. Ich habe mich nie als Egoist empfunden, denn im Spiel habe ich immer alles reingeknallt. Aber zum Paket „Ansgar“ gehörte eben, dass ich unter der Woche auch mal einen halben Tag rückwärts lief. Hätte ich das nicht ausgelebt, hätte ich der Mannschaft mehr geschadet als genutzt.

Ein Spieler, der ständig Fünfe gerade sein lässt, kann nicht sein Optimum abrufen.
Unter Druck funktionierte ich am Besten. Ich brauchte das Anlegen mit dem Trainer, um heiß zu laufen. Vor einem Spiel auf St. Pauli bin ich mit einem Kollegen mal nachts auf den Kiez. Wir ließen die Korken knallen, der Mitspieler verlief sich am Ende im Laufhaus. Tags drauf gewannen wir am Millerntor – ich schoss ein Tor nach Alleingang von der Mittellinie.

Was aber wäre, wenn sich alle so verhalten hätten?
Es gibt Leute, die können das Klavier spielen, andere müssen es tragen. So ist es in jeder Mannschaft.

Und damit ist die Sache für Sie erledigt?
Nicht falsch verstehen. Ich bin nicht stolz darauf, nachts um zwei in Osnabrück besoffen angehalten zu werden, vom Rücksitz des Polizeiwagens abzuhauen und dann am nächsten Tag reumütig auf der Wache den Autoschlüssel abzuholen. Das fühlte sich wahrlich nicht gut an.

Wie war es, als Sie nach der Sufffahrt wieder ins Stadion einliefen?
Damals skandierten Tausende an der Bremer Brücke: „Wir wollen Porsche fahren.“ Aber diesen Druck zu ertragen, darin war ich gut. Zwei Tore selbst gemacht, eins vorbereitet. Hätte ich das nicht gekonnt, wäre ich wohl weg gewesen.

Die Ansage auf Ihrem Anrufbeantworter lautete damals: »Ich bin von abends 17 Uhr bis morgens um fünf in meiner Stammkneipe.«
Ich kann guten Gewissens sagen, dass ich in meinen Teams zu den zwei, drei Spielern gehörte, die am wenigsten tranken. Ich habe auch nie geraucht.

Wie kam es dann zum Spitznamen »Brinkmann, der Trinkmann«.
Wer mit 18 auf seinem Anrufbeantworter so einen Spruch hat, formt natürlich sein Image.